ausstellung

Ulrike Dornis / Jens Hanke: Erste Ausstellungskonzeption.

"Das ACC liegt unweit der Kunstsammlungen zu Weimar und dem Marktplatz am altehrwürdigen Burgplatz, suburbium der Stadt, deren Name als Synonym für die Deutsche Klassik steht. Die Galerie befindet sich im ersten Stock zweier miteinander verbundener Häuser, die, zu besichtigen im Haus Burgplatz 1, Zeugen aus der Zeit ihrer Erbauung besitzen: z.B. eine Holzkassettendecke, Tür- und Fensterportale sowie Säulen aus der Renaissance, im Haus Burgplatz 2 ist ein großer Teil des Dielenfußbodens aus den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts erhalten. Man muss im Parterre ein Restaurant durchqueren, ehe man über eine steil nach oben führende Stiege im ersten Raum zu stehen kommt. Zwölf Ausstellungsräume folgen einer verschachtelten Struktur. Die anfängliche Orientierungslosigkeit verliert sich erst nach mehrmaligem Durchlaufen der Räume. Der Grundriss der zueinander leicht verkantet gesetzten Gebäude und die Anordnung der Räume um die Innenhöfe erschließen sich jedoch erst vor einem Lageplan. Diese Räume sind gewachsen, haben ihre Geschichte und ein starkes, für eine zeitgenössische Galerie eher ungewöhnliches Eigenleben, keine Wand ist gerade. Der Hall von Schritten und Gesprächen wird bis in die letzte Ecke der Galerie getragen, so dass man sich als Besucher von imaginären Personen umgeben fühlt. Nach mehrmaligem Erkunden all der Räume stellte sich die Überlegung ein, diese komplexe Struktur der Galerie als Matrix für das Konzept unserer Ausstellung zu nutzen. Die Struktur evoziert einerseits Analogien zu Bibliotheken und Archiven, andererseits, im sehr vereinfachten übertragenen Sinne, zum menschlichen Hirn. Die Idee ist die Folgende: Auf der Grundlage eines dreidimensionalen Modells wird die Struktur der Galerie unter dem Aspekt einer implementierten Zeitverschiebung durch raumübergreifende Rhythmisierung und Strukturierung rekonstruiert. Große Wandzeichnungen von Ulrike Dornis auf der Basis von Stahlkonstruktionen und Stadtlandschaften überdecken, stören und verlängern die Proportionen und den Rhythmus der Galerie und fügen so den Räumen andere autonome Strukturen zu. Es entsteht eine raumgreifende, vielgliedrige Gestalt, die die verbindende Ebene der benachbarten Häuser in einem anderen Zusammenhang verkettet und erscheinen lässt. Die Galerie scheint plötzlich durch dieses optische Verwirrspiel Stauchungen und Verzerrungen zu unterliegen, die beim Besucher Irritationen provozieren. Die neue Strukturierung bildet das verbindliche Rahmensystem, in das an markanten Punkten dem Rhythmus folgend abstrakt analytische in den Raum greifende Arbeiten von Jens Hanke hinzugefügt werden. Diese Arbeiten übernehmen die Funktion des keynotes, die die darunterliegende Struktur einerseits betont, andererseits die Verbindung zu den anderen Räumen hält. Diese Arbeiten wirken wie Gewichte, die in die linearen Strukturen und Raster der Wandzeichnungen hineingeskribbelt wurden."