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Das Maß der Dinge



Das Maß der Dinge
Irena Paskali (Skopje/Mazedonien)
Enrica Borghi (Novara/Italien)
Jordi Miralpeix Repollès (Irim Lux) (Barcelona/Spanien)

Malerei, Fotografie, Video, Installation

Die Stipendiaten des 7. Europäischen Atelierprogramms der ACC Galerie und der Stadt Weimar 2001 Irena Paskali (Skopje/Mazedonien), Enrica Borghi (Novara/Italien), Jordi Miralpeix Repollès (Barcelona/Spanien)

23.02.2002 - 31.03.2002,ACC Galerie
Eröffnung am Freitag, 22.2.2002, 20 Uhr.
Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet, Führungen jeden Sonntag 15 Uhr.
Eintritt: frei!

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Um Maßstäbe und Einschätzungen, um Subjektivität und Objektivität drehte sich das Europäische Atelierprogramm des Jahres 2001. Die drei Künstler stellten sich der Aufgabe. Ergebnisse ihres jeweils viermonatigen Arbeitsaufenthalts in Weimar werden in der Ausstellung gezeigt.

Irena Paskali: 'Zwischen meinem Kopf und meinem Volk', 2001, Videostill Irena Paskali arbeitet in den Bereichen Malerei, Bildhauerei und Videokunst. Sie nutzte ihren Aufenthalt in Weimar, um eine Videoinstallation mit 18 lebensgroßen menschlichen Skulpturen anzufertigen. Die Installation simuliert die Situation eines Kinos: Im Vorraum sind 18 Plastiken von menschlichen Hirnen ausgestellt, die scheinbar mit einer weißen Flüssigkeit aus einem weißen Messbecher durch einen Schlauch genährt werden. Auf der Außenseite der Messbecher stehen Gedichte von Irena Paskali. Im Zuschauersaal sitzt auf jedem zweiten Stuhl eine kopflose menschliche Figur aus weißem Gips, die ihren Kopf auf dem Schoß hält. Die Zuschauer haben die Möglichkeit, sich zwischen die kopflosen weißen Gestalten zu setzen, um den Videofilm "Zwischen - meinem Kopf und meinem Volk" von Paskali zu betrachten: Hier bewegt sich die Künstlerin in einem schwarzen Kleid in verschiedenen Situationen zwischen den von ihr selbst geschaffenen weißen menschlichen Plastiken. Sie versucht, sich mit den weißen Gestalten zu vermählen. Man sieht Ärzte, die Hirne waschen, eine Fabrik, in der die Hirne auf dem Fließband gestempelt werden, die Künstlerin selbst, die am Ende ein Hirn verspeist. Irena Paskali

Objektivität zu erreichen, das wissen wir spätestens seit Heisenbergs Erkenntnissen in der Molekularphysik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, ist Hybris, ist ein Anspruch des Menschen, dem wohl nur ein Gott genügen kann. Dennoch können wir nicht davon lassen, doch irgend etwas unverbrüchlich wissen zu wollen. Und dazu gehört, so glauben wir, Unabhängigkeit im Denken. Aber wer ist schon unabhängig... Irena Paskali spürt diesen Widersprüchen in ihrer Videoinstallation auf irritierende Weise nach. Der Betrachter muss sich nicht nur mit seinen farblosen Nachbarn messen. Er steht auch vor der Frage, ob er zu denjenigen gehört, die der Hirnwäsche unterzogen werden oder ob er eher derjenige ist, der selbst manipuliert. Oder geht diese Zweiteilung vielleicht gar nicht auf? Paskalis Lösung für die Aufgabe, den eigenen "Kopf" zu bewahren, scheint martialisch - aber gibt es Alternativen?

Enrica Borghi: Das Brautkleid, 2001, Kartoffelsäcke Enrica Borghi studierte in Mailand, in Italiens Modemetropole. Brust, Taille und Hüftumfang sind hier die allgemein gültigen Maßstäbe. Borghi stammt allerdings aus einem kleinen Bergdorf am Fuße des Monte Rosa. Einen größeren Kontrast zwischen den normierten Models der italienischen Industriestadt und den einfachen Lebensbedingungen in einem Alpendorf kann man sich wohl kaum vorstellen. Dennoch tauchte Borghi in die Welt der Mode ein - allerdings mit einem neuen Maßstab. Sie verweigert sich der schnelllebigen Welt der Modeindustrie, die für jede Jahreszeit eine neue Kollektion plant und drei Monate alte Kleidungsstücke zu nicht mehr tragbarer Flohmarktware degradiert. Ihre "Kleidung" ist Hausfrauenprodukt, entsteht aus Wegwerfartikeln und Verpackungsmüll. Es entstehen Exponate in Form von Kleidungsstücken und Accessoires, deren Wert weniger in den als kostbar eingeschätzten Materialien liegt, sondern in der Fingerfertigkeit und der Mühe, die in diese ästhetisch einzigartigen Produkte investiert wird. Borghis Arbeiten machen deutlich, welches Potential in dem liegt, was wir wegzuwerfen gewohnt sind. Enrica Borghi Für die Ausstellung in der ACC Galerie fertigt Borghi eine Kollektion von Wintersportartikeln an. Skier und Schneecapes, Schneeschuhe und Ponchos gehören zu einer Kollektion alternativer Wintersportausrüstung, die bis zum Jahr 2006, wenn Turin Austragungsort der Olympischen Winterspiele wird, vervollständigt werden soll. Eine Vorpremiere für eine Performance, im Rahmen derer die alternative weil nicht kompetitive Nutzung der Wintersportgeräte präsentiert werden kann, soll im Thüringischen Oberhof stattfinden.

Jordi Miralpeix Repollès, ICH, 2001 Acryl auf Leinwand, 120 x 120 cm Jordi Miralpeix Repollès ist Maler. Unverkennbar ist seine Abstammung aus der Graffitti-Szene. Er malt figürlich, allerdings ohne den Anspruch, seine Umwelt abzubilden. Für den Selbstausdruck hat er eine eigene Formensprache entwickelt. Seine gemalten Welten sind codiert, bestehen aus wiederkehrenden Elementen, die jedoch beständig und phantasievoll abgewandelt werden. Miralpeix legt unseren Wahrnehmungsmaßstab der Dinge frei, indem er in seinen Bildern mit dem Verhältnis von Vorder-und Hintergrund, von Transparenz und Undurchdringlichkeit, von Innen und Außen, Oben und Unten spielt. Seine großformatigen Arbeiten sind wie Mosaiksteine, die sich auf verschiedene Art und Weise zusammen setzen lassen. Jede neue Kombination eröffnet neue Raumvorstellungen und Perspektiven. Irim Lux


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