ausstellung

ausstellung:
Räume

Ausstellung mit Malerei des Hamburger Künstlers Ralf-Rainer Odenwald.
15.9. bis 28.10.2001.
Eröffnung 14.9.2001, 20 Uhr.
Einführung: Andrea Dietrich, ACC Galerie.

Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.
Eintritt frei!
Führungen jeden Sonntag 15 Uhr und nach Vereinbarung.
Mit freundlicher Unterstützung durch das Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Ralf-Rainer Odenwald, Nach Piero, 130 x 185 cm, Öl/Papier/Leinwand, 2001

Seit vielen Jahren beschäftigt den Künstler Ralf-Rainer Odenwald (* 1950) die Frage des Raumes in der Malerei, besonders die Gleichzeitigkeit verschiedener Räume innerhalb eines Bildes. Was geschieht gleichzeitig: da und dort? Und was geschieht dazwischen? Verschiedene Zeit- und Raumebenen sind gleichzeitig über oder in einem Bild verbunden.

Seine unterschiedlichen Anmutungen sind durch "Übergänge" in einen Zusammenhang gebracht. Es gibt ein vielschichtiges Nebeneinander von Zeiten und Räumen, die durch das dritte Element "der Handlung als Gegenwart" erweitert werden. Diese spannungsreiche Ermittlung im bildnerischen Prozeß durchläuft zahlreiche Schichtungen und Zustände, die auf dem Malgrund jeweils neu erarbeitet werden. Odenwald verwendet u.a. fotografisches Material aus Zeitungen, das er bearbeitet, oder Zitate aus der Kunstgeschichte, die er zeichnerisch überträgt. Es geht ihm um das "Raum-Zeit-Gegenwartsrätsel", für das es keine erlösende Formel gibt, sondern stets nur eine bildnerische Ansicht von Fall zu Fall.

Unser multimedial geprägtes Zeitalter mag hier den Hintergrund dazu geben. Die unerhörte Gleichzeitigkeit des "Hier und Überall", des "Jetzt und immer" erregt diesen Ansatz. Zugleich bewegt Odenwald die Langsamkeit der malerischen Gedankenprozesse - auch als Widerstand gegenüber einer überbordenden und kaum widersprochenen Eile - die das allmählich gewachsene "Bild der Welt" zu verlieren droht.

Ralf-Rainer Odenwald, Königin von Tellingstedt, 130 x 170 cm, Öl/Papier/Leinwand, 2001

Die Verkaufsausstellung ist nach HANDZEICHEN 1994 die zweite Einzelausstellung des Künstlers im ACC, die Gemeinschaftsausstellung WAHLVERWANDTSCHAFTEN mit Julia Bornefeld und Harald Frackmann führte ihn 1996 ins ACC.

Andrea Dietrich, aus der Einführung zur Eröffnung der Ausstellung

Ralf-Rainer Odenwald, der Maler aus Passion, auch Gärtner wie er oft selbst erzählt hat, wird mit dieser Ausstellung auch Architekt auf der Leinwand, denn es geht ihm um Räume. Zwei und dreidimensionale, verschachtelte Räume, Perspektiven und Räume im übertragenen Sinne. Der Raum für die Begegnung (hier im ACC) umreißt auch das Thema der Bilderschau. Initialpunkt für diese neue Phase in Odenwalds Malerei war ein Werk der Frührenaissance, die Geißelung Christi in Urbino von Piero della Francesca, einem der genialsten Maler des 15. Jahrhunderts. Zitate dieses über 500 Jahre alten Bildes erscheinen in kopierter Form in der Malerei Odenwalds, andere eingeklebte, collagierte Fotos (meist auch in vergrößerter Form) kommen dazu. Die Kollision dieser Versatzstücke mit dem Gemalten (auf althergebrachte Weise erstellten Bild) sind Odenwalds Grundidee für seine aktuelle Arbeit. Manchmal drängen sich historische Motive dazwischen. Es sind aber immer malerische Bilder, die in der Malerei kitschig wirken würden, als Foto aber eine ästhetische Härte verkörpern. Odenwald führt in seinen Bildern den Dialog mit sich selbst, verändert ständig und baut um. Die überraschendste fast gespenstische Erfahrung mit diesen Bildern war für mich ihre unterschiedliche Wirkung vor und nach dem 11. September. Z.B. das Bild der Einladungskarte: zuerst ging es nur um menschliches Wollen, ständiges Stapeln, Bauen. Der Kopf wird getragen, aber von einem fragilen, wackeligen Menschenwerk. Jetzt ist das für mich auch ein Sinnbild für die beiden zerstörten Türme geworden. Auch der Schrei der Siegerin am Galerieeingang schreit jetzt anders entgegen als vor einer Woche in Hamburg beim Auswählen der Bilder. Das Jaqueline-Kenndy-Zitat erscheint in anderem Licht. Es schlägt die Brücke nach New York zu den Freunden und Künstlern, bei denen unsere Gedanken jetzt so oft weilen. Wir fühlen große Trauer und Ohnmacht und klammern uns an die große Hoffnung, dass nicht eine Lawine der Gewalt uns droht.

Kontakt: ACC Galerie, Andrea Dietrich (0172/9091129).