ausstellung

Entdeckt: 1672 - Erfurter Pater Vansleb in Ägypten.

Matthias Geitel

Der Erfurter Künstler Matthias Geitel stieß bei den Vorbereitungen zu seiner Ägyptenreise auf Pater Vansleb in: S. W. Ceram, Götter Gräber und Gelehrte, rororo - Sachbuch, Hamburg 1972, TB S. 139. "

Schließlich steht er, wo zweihundert Jahre vor ihm, 1672, als erster aufmerksamer Abendländer der Gelehrte Vansleb, Pater aus Erfurt, schon stand: vor den Resten der zwei kolossalen Sandsteinstatuen des Königs Amenophis III., die schon Herodot erwähnt."

Neugierig geworden, fand Geitel bei Recherchen auf den Spuren Vanslebs mehr (Abschrift aus Allgemeines Gelehrten Lexikon 1751, Christian Gottlieb Jöchers, 4. Bd. S - Z, Georg Olms Verlagsbuchhandlung Hildesheim): "Wansleben (Joh. Michael), war zu Erfurt in Thüringen, woselbst sein Vater ein lutherischer Prediger war, den 1. Nov. 1635 geboren. Nachdem er einige Jahre zu Königsberg der Philosophie und Theologie obgelegen, begab er sich zu Iobo Ludolpho, erlernte von demselben die äthiopische Sprache, und trat so dann auf dessen Begehren eine Reise nach London an. Hieselbst stellte er 1661 des ietzt erwehnten Ludolphi äthiopische Grammatic und Lexicon, mit einem von ihm verfertigten Indice vocum latinarum ans Licht, und ging zugleich Edmundo Castello bey Verfertigung seiner Lexici heptaglotti an die Hand, welcher ihn dagegen mit dem nöthigen Unterhalt versorgte. Als er von dannen in sein Vaterland zurückgekommen, schickte ihn Hertzog Ernst von Gotha 1663 nach Aegypten und Aethiopien, um sich des Zustandes der dasigen Christen und ihrer Lehre zu erkundigen. (...) 1670 aber ging er nach Paris, und ward 1672 von M. Colbert zum anderen nach Aegypten geschickt, damit er so wohl von dem Zustande dieses Landes mehrere Nachricht einziehen, als auch die daselbst befindliche rare Codices aufkauffen, und nach Paris in die königliche Bibliothec bringen sollte. (...) Daß er ein unordentlich Leben geführet, und die ihm zu seinen Reisen vorgeschossenen Gelder meistens auf eine unziemliche Weise durchgebracht, hat ihm nicht allein Iob Ludolph Schuld gegeben, sondern man findet auch genugsame Beweise in seinem Journal, worinne er seine schändlichen Vergehungen zu Constantinopel und anderswo, ingleichen, wie er sich aus verschiedener Gefahr los geholffen, und andere dergleichen Dinge, mit eigener Hand aufzuzeichnen sich nicht geschämt hat. (...)"

Zu Wort kommt der Pater selbst - abgeschrieben aus: "Neue Beschreibung einer Reise nach Aegypten in den Jahren 1672 - 1673" in "Sammlung der merkwürdigen Reisen in den Orient, Teil 3, herausgegeben von H. E. Paulus, der Theologie Professor Ordinarius zu Jena, bei Christ. Heinr. Cuno`s Erben, Jena 1794: Seite 161: "Die Aegypter im Allgemeinen, haben eine Olivenfarbe; je weiter man von Cairo südwärts ins Land kömmt, je dunkler findet man sie so daß die, welche an den Grenzen von Nubien wohnen, ganz kastanienbraun, wie die Einwohner selbst, aussehen. Die auszeichnenden Fehler der Aegypter sind Trägheit und Feigherzigkeit, die ihnen so natürlich sind, daß weder Kopten noch Mauren davon ausgenommen werden können. Sie thun den ganzen Tag über fast nichts anderes als daß sie Caffe trinken, Taback rauchen, schlafen, unthätig auf einer Stelle sitzen oder auf den Straßen miteinander schwatzen. ...Die Weiber sind gewöhnlich von kleiner Taille, brauner Farbe, und ihre ganze Schönheit besteht in einem lebhaften Auge. Ihre Unterhaltung ist sehr langweilig: in ihrer Art sich zu kleiden ist weder Anmuth noch Grazie." Seite 164: "Die Merkwürdigkeiten des Nils bestehen in seinem Zu- und Abnehmen auf einem bestimmten Tag. 2. daß er beym Anfang des Anschwellens grün wird. 3. daß er, nachdem die grüne Farbe verschwindet roth wird, und 4. daß er zuweilen sein Bette verändert." Seite 382: "Ein Aufenthalt von zwanzig Monaten in einer Stadt, die so viel unangnehmes wie Kairo für einen Franken hat, und die beständige Furcht vor dem Unglück das mich treffen könnte wenn die Mohamedanen meinen Ankauf ihrer Bücher entdecken möchten, ließ mich auf meine Sichheit denken und den Vorsatz fassen, Kairo zu verlassen. Ich fand für meinen Geist und für meinen Plan keine bessere Stadt als Constantinopel." Seite 384: "... und den 22. April kehrte ich glücklich, nach einer Reise von fünf vollen Jahren, in Paris ein."