ausstellung

ausstellung:
nothing in common

juliane stiegele, Augsburg und walter bergmoser, Augsburg/Weimar
Fotografien, skulpturen, Rauminstallationen.
20.1. bis 25.2.2001. Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen jeden Sonntag 15 Uhr.

Für die freundliche Unterstützung bei Realisierung der Ausstellung dankt die ACC Galerie dem Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

o.T. Für die Ausstellung mit ihrem programmatischen Titel nothing in common, also "nichts Gemeinsames haben" schufen Juliane Stiegele und Walter Bergmoser doch in wohldosierter gegenseitiger Abstimmung (!) und mit einem feinen Gespür für die Arbeiten des jeweils anderen Installationen, die mit der Spannung zwischen Leere und Fülle in der Galerie arbeiten. Räume der Galerie sind dabei verschlossen worden, können nur eingesehen werden, ein anderer Rundgang definiert den vorhandenen ACC-Grundriß neu. Sabine Brandt formulierte in ihrer Ausstellungsbesprechung für die TLZ nach einem Gespräch mit den Künstlern folgendes treffend: "'nothing in common' formt sich titelgebend zu einem Ereignis, und zwar genau durch die nicht vorhandenen Gemeinsamkeiten. Unterschiede werden festgestellt durch die Betrachtung derselben Eigenschaft. Wenn sie sich konsequent zueinander verhalten wie die Nacht zum Tage, kommen sie am Ende doch wieder daher wie die abgestrittene Gemeinsamkeit: der eine ist das Positiv, der ander sein Negativ. Bergmoser bringt das Dunkel, Stiegele das Helle, sie die Aktion, er die Ruhe." Man könnte bei den gegensätzlichen Paaren hinzufügen: klein und groß, Raum und Fläche, rauh und glatt, Skulptur und Fotografie ... Bei all dem erweist sich als der größte (oder kleinste) gemeinsame Nenner: der Mensch. "mensch" wie es die Künstler in einem poetischen Text auf der Einladungskarte zur Ausstellung als Schlußpunkt ihrer Gedanken beschrieben. Daß beide sich bewußt auf den Ort eingelassen haben, kündigte übrigens auch das Einladungskartenmotiv an: sich schemenhaft bewegende Gestalten (Juliane Stiegele und Walter Bergmoser) im Veranstaltungsraum der Galerie.

Juliane Stiegele (*1956), die in Augsburg lebt und Anfang Februar 2001 den Kunstpreis Schwaben erhält, ist zum zweiten Mal Gast des ACC. Vor fünf Jahren war sie unter den darstellenden und bildenden Künstlern des ACC-Projektes "BLAU", mit dem der Maschinensaal im ehemaligen E-Werk Weimar, nach seiner Einweihung als Spielstätte im November 1995, ein weiteres Mal als Kunst-Palast überzeugte. In den letzten Monaten beschäftigte sich Juliane Stiegele mit großen und schweren Formen, der Idee eines Basislagers, über die sie noch weiter nachdenkt - allein und im Dialog mit Künstlerkollegen - und für die sie sich nach Stationen in Ulm und Berlin weitere Orte sucht. Im Gegensatz dazu erarbeitete Stiegele für Weimar kleine, zerbrechliche, weiße Holzskulpturen, kombiniert mit ortsgebundenen Rauminterventionen aus Plexiglas und Einbauten aus Holz. Diese sehr menschlichen Figuren, die "Anwesenden", haben sich in den Räumen der ACC Galerie eingenistet, haben sie für sich in Beschlag genommen. Sie agieren fleißig und neugierig, auch zögerlich, aber immer sehr dem menschlichen Tun verwandt. Die sie umgebende Weite beherrschen sie selbstbewußt und ohne Probleme. Stiegele interessiert sich mit und in ihrer Arbeit immer für Räume. Räume, die sie mit ihren Eingriffen verändert und in andere Verhältnisse, andere Beziehungen zueinander setzt. Im ACC fasziniert, wie sparsam und reduziert sie vorgeht, die Eigenart der Galerie akzentuiert und eine wohltuende Klarheit verbreitet. Der Mut zur Leere, der sie Form gibt, kann als meist unerreichter Luxus gesehen werden.

Walter Bergmoser (*1959) wohnt seit einigen Jahren in Weimar und wurde in der Region durch das Projekt "raum am ende der zeit" (Rauminstallationen in der Kirchenruine Paulinzella, Walter Bergmoser und Roland Brummer, 24.10. bis 8.11.1998) bekannt. Schon des öfteren kam er mit dem ACC in Berührung und Sabine Brandt (TLZ) nennt ihn den "Wiederentdecker der Langsamkeit". Zunächst zeigt er Teile seines "Visuellen Tagebuches", in Viererblöcken zusammengestellte Aufnahmen, die er in den letzten drei Jahren sammelte und zu seinen Geschichten neu zusammenstellte. Der Galeriebesucher wird sich seine eigenen Short-Storys zusammenreimen, vielleicht bei genauerem und langanghaltenden Hinsehen die eine oder andere miteinander verknüpfen. Die sogenannten "Abwesenden" beherrschen den Vortragsraum der Galerie: es sind überlebensgroße und sehr dunkel gehaltene Proträts von Gesichtern und Händen, die nicht viel zusätzliches Licht erhalten. Die Porträtierten haben die Augen geschlossen, schlafen aber nicht und sind auch nicht tot. Sie ruhen in sich, schauen und sprechen nach innen und vermögen diese Kraft auf ihr ihnen unsichtbares Gegenüber zu übertragen. Ähnliches passiert mit den Händen, die ja auch reden können, sich öffnen oder verschließen, tatenlos herabhängen oder auf etwas deuten. Mit der Zeit strahlen die Körper von innen her. Sie erschließen sich ebenso langsam, aber eindringlich dem Betrachter wie Bergmosers weitere, kleinere Menschenbilder in der völligen Finsternis der Installation "Der leise Klang deiner Sohlen tötet meine Seele", der dritten Arbeit in dieser Ausstellung, die am Anfang des Rundgangs steht. Dort werden die Abwesenden zu Anwesenden und man spürt leise Bewegungen im dunklen Raum.

(Kontakt: Andrea Dietrich, Tel. 03643/851261, andrea.dietrich@acc-weimar.de)