ausstellung

Reneé Ridgway, Amsterdam

Von der Künstlerin sind Arbeiten zu sehen, die an der Nahtstelle zwischen jahrgang fünfundsechzig - alterserscheinungen? und unter der hand ihren Platz haben. "Ich suchte eine Möglichkeit, die Ausstellung unter der hand mit der "Jahrgang-1965-Ausstellung" zu verbinden. Deshalb fragte ich meine Mutter, ob sie noch einige Handtaschen von 1965 hat. Ich nahm an, dass sie alles aufgehoben hatte. Ich bat sie, Bilder von diesen Handtaschen zu machen und sie mir zu schicken. Ihre Fotos sind in der Ausstellung zu sehen. Ich fragte meine Mutter auch, ob sie noch einige ihrer Kostüme von 1965 hat, und ob sie mir passen würden. Sie schickte mir einige Sachen, die sie gestrickt und genäht hatte, als sie mit mir schwanger war, und die sie während der Schwangerschaft und der ersten Jahre meines Lebens getragen hatte. Meine Großmutter (die ebenfalls nähen und stricken kann) hatte zufälligerweise zur selben Zeit eine identische Jacke desselben Kostüms genäht, ohne sich darüber im klaren zu sein, dass meine Mutter mit derselben Kostümjacke beschäftigt war (zu dieser Zeit lebten die beiden 3.000 Meilen voneinander entfernt). Neben passenden Schuhen und einer Handtasche war in dem Paket, das sie mir schickte, auch die Original-Anleitung aus dem von ihr verwendeten Modemagazin. Bevor sie alles schickte, bat ich sie, die Sachen anzuprobieren und sich von meinem Vater fotografieren zu lassen. In der Ausstellung ist das handgemachte Kostüm ebenso zu sehen wie zwei Fotografien: ein aktuelles Foto meiner Mutter in ihrem Kostüm, das sie während ihrer Schwangerschaft trug und ein aktuelles Foto von mir im selben Kostüm. Gegenwärtig arbeite ich an verschiedenen Projekten (Ausstellungen, Installationen, Arbeiten im öffentlichen Raum), die die Authentizität der Dinge hinterfragen. Meine letzte Einzelausstellung "Objects in Question" bestand aus fünf Objekten, fünf Fotografien und fünf Zeichnungen solcher Gegenstände. Das die Reproduktionen (die Fotos) dabei die ästhetischsten Arbeiten waren, hat mich dazu inspiriert, Kunstwerke nur ihrer Reproduktion wegen zu produzieren. Wie sich dies manifestiert, ist in jedem Projekt verschieden: Fotografien, Dias, Videos und Publikationen. Mich interessiert die Beziehung zwischen Dingen, die sich ähnlich, aber die nicht genau die selben sind. Ob es nun ein Faksimile, eine Fotokopie, ein Simulakrum, Ersatz oder Doppelgänger ist, nie ist das Duplikat dasselbe wie das Original. Deshalb ist die Authentizität der Dinge im Zeitalter der mechanischen Reproduktion in Frage gestellt. Ich glaube, dass mein persönliches Fasziniertsein von diesem Umstand viel damit zu tun hat, dass ich wie meine Mutter aussehe, dass ich, als ich aufwuchs, dieselbe Kleidung wie meine Mutter trug (ihre wie meine Kleider wurden von ihr genäht) und dass ich nun, als Erwachsene, mit ihrem Beispiel konfrontiert werde. Weil ich so sehr wie meine Mutter aussehe, scheint es, als ob mein Körper auf vergleichbare Weise wie ihrer altert, und ich sehe mich selbst, insbesondere durch das Medium der Fotografie, mehr und mehr meiner Mutter ähneln." (Reneé Ridgway)