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Der Lustschuber

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Ausstellung der Arbeiten von 18 Studentinnen und Studenten der Bauhaus-Universität Weimar, die im Rahmen des gleichnamigen Projektes unter der Leitung von Prof. Werner Holzwarth, Dr. Thomas Fuchs und Hans-Joachim Dietrich im Studiengang Visuelle Kommunikation entstanden.
Am Projekt haben mitgewirkt: Juliane Baumann, Kirstin Becker, Yvonne Behnke, Friederike von Bistram, Matthias Fischer, Nadine, Kathrin Göritz, Antje Hübsch, Timo Pitkämö, Karl Köhler, Fabian Küchler, Fabiane Lange, Oliver Leichsenring, Ralf Leyendecker, Ulrike Mothes, Dirk Peuker, Benjamin Tafel.
Eröffnung am Freitag, 14.4.2000, 20 Uhr, ACC Galerie. Vom 15.4. bis 4.6.2000. Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Eintritt frei!.

Über das Projekt: Das Lexikon für Theologie bestimmt Lust "zwischen der verengenden Definition als sexuelle Wollust und der nichtssagenden Ausweitung auf jegliche Motivation". Um Letzteres geht es bei diesem Projekt nicht. Hier stehen die (weiter im katholischen Duktus) "leiblich akzentuierten Akte der Organ- und Sinneslust: Sexus, Rhythmus, Schauen, Erleben als Selbsterregung usw." im Mittelpunkt. Die Projekteilnehmerinnen und Projektteilnehmer haben sich dazu ein wenig mit Freud und sehr viel mit den echten und eigenen Freuden beschäftigt, die die Lust als "Befriedigung stark empfundener Bedürfnisse" (Brockhaus) mit sich bringt. Das Ergebnis des lustvollen Tuns: 13 Beiträge - umgesetzt in Form von Broschüren, Magazinen, Filmen, Hörbüchern und Fotoreihen. Vom Bordell-Report über die Nackten im deutschen Fernsehen, bis zu Polaroids der Lust. Und neben Nekrophilie, Entensex und erotischer Amateur-Lyrik fehlt selbstverständlich auch die Dokumentation der deutschen Lust-Standards nicht. Eine Ausstellung, in der Er, Sie, vor allem aber ES den Beitrag findet, nach dem ihm am meisten gelüstet.

Wir danken Panasonic, Technics, Mineralquellen Niederlichtenau, SBI Jena und dem Studentenwerk Jena-Weimar für ihre Unterstützung

Juliane Baumann: Luststandards Die Luststandards geben Auskunft über den Zustand der Lust in Deutschland. Über die beliebtesten Lustmittel und Lustobjekte. Sie sind eine Reflexion des lustvollen oder auch lustlosen Liebeslebens der Deutschen und klären Fragen, wie: Welche Unterwäsche trägt man(n) am liebsten und welche Dessous? Welcher Sexmythos ist am bekanntesten, welcher Vibrator der meistgekaufte und wie heisst der Klassiker der erotischen Literatur? Welche Stellungen werden in deutschen Landen bevorzugt und wie lauten die Durchschnittsmaße von Busen und Penis? Die Luststandards sind zum Blättern und Anschauen und alles in allem eine witzige, interessante Dokumentation zum Thema Lust.

Yvonne Behnke: Mandarinen küssen ist geil! Diese Projektarbeit beschäftigt sich mit der Lust an der Berührung. Studenten, ein Psychologe, ein Musiker, eine Tänzerin, eine Krankenschwester, eine Mutter mit Kind und viele weitere Personen erzählen, was sie zu berühren reizt und was sie nie anfassen würden. Aus den Interviews entstand eine Audio-CD, die mit Ausschnitten aus Filmen, Musik und einem Klangteppich komplettiert wird. Das Begleitheft zur CD reflektiert die Interviews, arbeitet mit Originalzitaten und gibt die Recherchen zum Thema Berührung wieder. Das Ganze ist in einem Schuber verpackt, der aus einem weichen Material besteht, das ebenfalls zum Anfassen reizen soll.

Friederike von Bistram: Daily Ducks Mit diesem Band liegt eine einmalige Sammlung unglaublicher Zeitungsartikel vor, die sich mit dem Thema Lust, also mit Sexualität, Liebe und Fortpflanzung befassen. Faszinierende "news" aus aller Welt, die es ? aus welchen Gründen auch immer ? nicht bis in die Tagesschau oder die heute-Nachrichten schafften. Wenn es diese heißen Sex- und Lust- und Liebes-Nachrichten nicht gäbe ? Gottseidank gibt es sie jetzt, dank dieser Sammlung ? sie müssten sofort erfunden werden.

Nadine: "Ich, die Hure…" Mein Name ist Nadine. Ich wurde am 11.08.1975 geboren. Ich bin 1 Meter 62 groß, wiege 52 Kilogramm und habe die Haarfarbe rot. Mein Hobby?? Nun, auch mein Hobby ist, glaube ich, nicht außergewöhnlich. Außergewöhnlich daran ist vielleicht nur, dass ich darüber spreche. Das tun außer mir die wenigsten Frauen. Ja, also… wenn ich alleine bin, lebe ich gerne die drei Ichs aus, die in mir stecken. Da stelle ich mir vor, ich bin eine Lolita. Oder eine Lesbe. Und manchmal auch eine Hure.Was mir da so einfällt, habe ich auf Band aufgenommen. Hören sie sich die Cassetten ruhig an. Und schauen Sie auch mal in den jeweiligen Koffer, den ich für jedes meiner drei Ichs zusammengestellt habe. Trauen Sie sich… Ihre Nadine

Kathrin Göritz: Schuld/Unschuld Diese Arbeit besteht aus einer Fotoserie rotfarbener Bilder assoziativen Inhalts, die jegliche Art der Interpretation offen lässt. In der Broschüre selbst wird der Betrachter durch die Überschrift Schuld bzw. Unschuld in eine bestimmte Assoziationsrichtung gedrängt.

Antje Hübsch: Taubenschlag. Gerade noch geschminkt und aufgestylt sich den geilen Blicken der Freier präsentierend, saß Anna Z. wenig später in einem grauen Trainingsanzug vor mir und erzählte ungeschminkt Anekdoten über ihre Kunden oder - ernster werdend - Details aus ihrem privaten, familiären Leben. Ich kann nicht sagen, dass mich dieser plötzliche Wechsel zwischen schützender Überheblichkeit und offenem Verbittertsein unberührt ließ. Doch sollen Bilder und Texte meiner Reportage nicht Gefühle aufgreifen, die in Doku-Soaps und Talkshows bereits zur Genüge verarbeitet wurden. Meine Fotos zeigen statt der "nackten Ware" nackte Tatsachen, und genauso unsentimental und ungeschönt gibt auch der Text die Aussagen der Prostituierten und ihres Zuhälters wieder. Ein kleiner Einblick in ein Stück Realität.

Timo Pitkämö: Latex-Lust: Auf einer dünnen Schicht Latex ist das Bild eines PinUp-Girls aufgedruckt. Unter dem Bild, ansatzweise zu erkennen, ein Text. Entfernt der Betrachter die Latexschicht samt Bild, um den Text zu lesen, wird das Bild zerstört. Dem Betrachter bleibt allein der Text, der trocken-rational die inhaltliche Bedeutung des Themas Lust in der Gesellschaft auslotet.

Karl Köhler: Polarisierend Auf den ersten Blick eine nackte Frauenbrust. Doch dann: die Entdeckung. Und danach die Interpretation. Völlig subjektiv. Je nach Betrachter. Hony soit qui mal y pense. Insgesamt vier ungewöhnliche Polaroids in bürgerlichem Rahmen. Vier Ansätze für vier Geschichten, die jeder, der sie sieht, anders erzählt.

Oliver Leichsenring: Liebe und Tod: Dass eine Liebe den Tod überdauert, ist keine Seltenheit. Aber wie sieht es mit der körperlichen Liebe aus? Erlischt sie zwangsläufig mit dem Tod? Oder kann sie nicht manchmal sogar damit beginnen? Eine Reihe von Geschichten, teils authentisch, teils fiktiv, will versuchen, das Phänomen der Nekrophilie zu ergründen. Worin besteht der Reiz eines toten Körpers? Was bringt Menschen dazu, andere Menschen zu töten und von ihrem Fleisch zu essen? Kann man als sogenannter normaler Mensch überhaupt einen Zugang zu den abscheulichen Taten Nekrophiler finden? Das Buch wird diese Fragen klären.

Ulrike Mothes, Oliver Leichsenring: Blütensand & Honigwind: Welcher Duft machte Kleopatra so unwiderstehlich, dass sie es schaffte, Cäsar zu verführen? Mit Hilfe welchen Parfums gelang es Esther, Königin von Persien zu werden? Was berauschte die kleine Cherie derart, dass sie nicht mehr von sich lassen konnte? Kurze historische Texte, in einem Buch zusammengefasst, versuchen, noch einmal die Duftwelten längst verflogener Parfums vor unseren Nasen wiedererstehen zu lassen. Unterstützt werden sie dabei von Duftproben, die den alten Parfums so getreu wie möglich nachempfunden wurden (und von denen drei "ausgestellt" sind).

Dirk Peuker, Matthias Fischer: Poeten der Lust: Filmische Interviews mit Menschen, in diesem Fall mit vier Männern, die in ihrer Freizeit erotische Literatur bzw. erotische Gedichte schreiben. Sie stellen sich vor, sprechen über ihre Motivation und tragen dann sehr engagiert ihre Lieblingsgedichte vor.

Dirk Peuker, Matthias Fischer: Luststiller: Eine Projektarbeit über Lust-Objekte im wahrsten Sinne des Wortes. Eine tabubrechende Darstellung bizarrer Fundsachen in Darm, Harnröhre und Vagina. Vom Apfel bis zum Regenschirm und von der Gurke bis zum Pfeifenreiniger. Nicht unbedingt lustig, aber faszinierend und vor allem: wahr.

Benjamin Tafel: Nackte Tatsachen: Auf mehreren Videorekordern wurde eine Woche lang das Programm von 17 deutschen Fernsehsendern aufgezeichnet. Ziel dabei war es, möglichst alle Nackten, die innerhalb dieser einen Woche ausgestrahlt wurden, einzufangen. Der in der Ausstellung gezeigte Filmzusammenschnitt dokumentiert in einer stark gekürzten Version ausschnitthaft das Sendematerial. Es bleibt dem Betrachter freigestellt, wie er mit dieser InformaItion zum Thema Lust im deutschen Fernsehen umgeht. Ein Bildband dokumentiert mittels 800 Standbildern die nackten Tatsachen im deutschen Fernsehen.