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Landscape

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Ausstellung mit Arbeiten von in Großbritannien lebenden Künstlern zum Thema "Landschaft".
Kuratorin: Ann Gallagher (The British Council).
Die Künstler: Mat Collishaw, Keith Coventry, Tacita Dean, Willie Doherty, Peter Doig, Siobhan Hapaska, Tania Kovats, Rachel Lowe, Rut Blees Luxemburg, Chad McCail, Mariele Neudecker, Paul Noble, Julien Opie, Michael Raedecker, David Rayson, David Shrigley, Ross Sinclair, Bob und Roberta Smith, Wolfgang Tillmans, Paul Winstanley.
Eröffnung am Freitag, dem 11.2.2000, 20 Uhr, ACC Galerie. Ausstellung vom 12.2. bis 2.4.2000.
Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Führungen jeden Sonntag 15 Uhr.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (80 Seiten, 60 Farbabbildungen, Preis 18 DM) in englischer Sprache mit einem Essay von Kuratorin Ann Gallagher, dem Text "Popular Science" des britischen Filmemachers Patrick Keiller und detailierten biografischen Angaben jedes Künstlers.
Die Ausstellung wird gefördert von The British Council und vom Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
The British Council

Die erste große Ausstellung des neuen Jahres ist seit dem Kulturstadtjahr geplant und widmet sich neuen Sichtweisen auf ein altes Genre: die Landschaftskunst. Unser Wissen um unsere Umwelt mag durch Massenmedien und weltweites Reisen zugenommen haben, doch unsere eigentliche Erfahrung mit der Natur, mit der Landschaft ist am Ende des 20. Jahrhunderts oft zunehmend beschränkt. Für den Stadtbewohner findet der direkte Kontakt zur Natur beim täglichen Spaziergang auf der Straße statt - der Horizont leuchtet spärlich und die Vegetation beschränkt sich auf einen gelegentlich auftauchenden Baum. Durch den beschleunigten Prozess des Reisens wird die Landschaft zum vorbeifliegenden Schleier am Fenster von Auto, Eisenbahn oder Flugzeug. Ungeachtet dessen scheint sie an Faszination nichts verloren zu haben, geht man von der Resonanz aus, mit der gerade junge Künstler das Sujet Landschaft jenseits der romantischen Tradition heimsuchen. Neue Blickwinkel zwischen Kamera-Nahaufnahme und Luftperspektive und eine bislang nie dagewesene Bandbreite an Aufnahme- und Darstellungsmöglichkeiten realer, imaginärer oder erinnerter Szenen zieht eine Vielfalt an Medien wie Klang, Text, Projektionen und Videos wie auch Fotografie, Malerei und Skulptur nach sich. Landschaft, so scheint es, ist zu einem dynamischen, wechselhaften, umstrittenen und stark frequentierten Medium geworden. The British Council teilt diese Aufmerksamkeit und konzipierte eine Ausstellung mit 47 Werken von 20 Künstlern, die ihre Premiere in der ACC Galerie hat und später in Moskau, St. Petersburg und Brasilien gezeigt wird. Erstmalig verbinden diese zeitgenössischen Landschaftsdarstellungen die ehemalige Große und Kleine ACC Galerie auch inhaltlich zu einer homogenen Ausstellungsfläche.

In der kurzen Videosequenz "Swamp" (1996) von Peter Doig treibt eine mystische Figur in einem Boot übers Wasser. Eine Atmosphäre voller Erwartung baut sich auf, Erklärung oder logischer Schluss bleiben jedoch aus. Auch auf Doigs Gemälden können inmitten schneebedeckter Hügel, an einem See oder im Wald Personen auftauchen, deren Bedeutung unklar bleibt. Peter Doig widersetzt sich dem Klischee vom Landschaftsmaler. Seine Gemälde, inspiriert von Landschaftserlebnissen aus seiner Kindheit oder durch photographische oder filmische Quellen, auf die er während seines städtischen Daseins stößt, schwanken zwischen Imagination und Erinnerung. Alles scheint widersprüchlich: Die Symbiose verschiedener Bildsprachen und Techniken, Farbkombinationen, Lichteffekte und Perspektiven. Paul Winstanley bringt verschwommene Ansichten wie aus einem Roadmovie auf die Leinwand. Michael Raedecker deutet mit einfachen, schwarzen Linien Vegetation oder Bebauung an. David Rayson: From Ashmore Park to Wednesfield : The Jet Bench, 1998 The British Council Collection * The Artist David Rayson zeigt in seinen Gemälden "From Ashmore Park to Wednesfield: The Jet Bench" und "The Linthouse Bridge" (1998) Kindheitserinnerungen an menschenleere Vororte.

Mariele Neudecker nimmt in ihren idealisierten Szenen Bezug auf reale wie auf erfundene Landschaften. Werke wie ihre wassergefüllte Vitrine "Morning Fog in the Mountains" (1997) sind skulpturale und sofort wiedererkennbare 3-D-Versionen der Gemälde Caspar David Friedrichs. Selbst die atmosphärischen Effekte der Gemälde ahmt sie durch Hinzufügen chemischer Lösungen nach.

Paul Noble: Villa Carl, 1997 The British Council Collection * The Artist Haus für Haus entwirft Paul Noble in einer Serie aus Bleistiftzeichnungen die fiktive Stadt "Nobson Newtown". Die Gebäude der Stadt sind aus dreidimensionalen Buchstaben des Alphabets komponiert, deren Font Noble selbst entwarf. Durch Aneinanderreihen der Lettern entstehen Worte. So kann man den Häusern/Orten ihre Funktion ablesen: Slum, Industriebetrieb, Steinbruch, "Paul's Palace" (das Haus des Architekten) oder, wie in diesem Falle, "Villa Carl" (1997) - jede Zeichnung zeigt einen neuen Aspekt der Stadtlandschaft. "Nobson Newtown" als alptraumartige Parodie auf die städtebaulichen Utopien der Nachkriegszeit.

Julian Opie: Landscape (1), 1995 The British Council Collection * The Artist Julian Opie verwischt die Grenzen zwischen wirklichen und fiktiven Landschaften. Die von ihr porträtierte Landschaftswelt ist reduziert auf ihre grundlegendsten Elemente. In dem Acrylbild "Landscape (1)" (1995) mäandert eine Landstraße in den flachen Horizont. Die drei Scheunen des Objekts "Imagine You Are Landing (Three Barns)" (1994) rufen Erinnerungen oder Bilder an eine Reise in einem zum Landen ansetzenden Flugzeug über einer ländlichen Gegend wach. In Rachel Lowe's 3-Minuten-Video "Letter to an Unknown Person No. 6" (1998) wird Landschaft aus einem fahrenden Auto erfahrbar. Man sieht eine Hand, die wiederholt versucht, mit schwarzem Markierstift die Konturen der vorbeischießenden Landschaft aufs Fensterglas zu zeichnen. Ergebnis dieser vergeblichen Übung sind immer nur sinnlose Kritzeleien, die den Blick verstellen.

Mat Collishaw: Who Killed Cock Robin, 1997 The British Council Collection * The Artist Mat Collishaw kombiniert bestechende Schönheit mit finstersten Elementen. In seiner digitalen Photocollage "Who Killed Cock Robin" (1997) stehen engelhaft aussehende Kinder, winzige Figuren in einem blühenden Garten voller Blumen und Blätter, einem großen toten Vogel gegenüber. Vieles im Werk von Tacita Dean hat die Form einer Suche. Narratives wird mit zufälligen Assoziationen weitergesponnen, Fiktionen und Fakten werden miteinander verwoben. Die Diaprojektion mit der Aussicht vom "Rozel Point, Great Salt Lake, Utah" (1997) zeigt einen spiegelglatten See und bildet den Schlusspunkt einer Reise, über die im nächsten Faltblatt berichtet wird. Chad McCails großformatige Bleistiftzeichnung "Spring" (1998) brilliert nicht nur durch die detaillierte Wiedergabe eines Stadtgebiets aus der Vogelperspektive, sie lässt auch erkennen, wie sich dessen Einwohner gegen den überwachenden Blick eines totalitären Regimes zur Wehr setzen.

Siobhan Hapaskas abstrakte Fiberglas-Skulptur "Land" (1998), die den unregelmäßigen Formen eines Rennwagens gleicht, verwehrt sich jeder Definition und suggeriert dennoch Glätte, Schnelligkeit und Modernität - Landschaft als Konsumprodukt mit der Science Fiction-Ästhetik der 50er. "Peninsula" (1998) von Tania Kovats ist teils eine minimalistische Skulptur, teils das geologische Modell einer Halbinsel und einer Gebirgsformation, die diese Halbinsel geformt zu haben scheint.

Bob and Roberta Smith: I Believe in Joseph Mallard William Turner, 1999 The British Council Collection * The Artist In seinem 8-min-Video "Flawed" (1996) hilft eine Menschenansammlung dem als "Bob and Roberta Smith" bekannten Künstler auf dem allseits beliebten Serpentine Lake in Londons Hyde Park eine klapprige Flotte handgemachter Boote zu Wasser zu lassen. Trotz des fröhlichen Sonntags im Park sinken alle Boote, denn sie sind aus Beton. Die "Concrete Boats" (1998) sind auch als Objekte zu sehen und werden auch weiterhin sinken. Als Kultur der Unbefangenheit, als Kunst für jedermann sieht Smith seine Arbeit, die an die Protesthaltungen der 60er erinnert. Willie Doherty kontrastiert in seinem 2x30min-Video "Tell Me What You Want" (1996) idyllisches Vogelgezwitscher auf einem Grashügel mit heftigen Regengeräuschen in einer nächtlichen Straße. Immer wieder tauchen in den beiden Monitoren die verdunkelten Köpfe eines Mannes und einer Frau auf, die von gewalttätigen Vorfällen berichten, die in ihrer Nachbarschaft passiert sind. Dohertys Photographien "Minor Incident" (1994 und 1996) sind Landschafts-Nahaufnahmen von einer blauen Plastiktüte und einer Reifenspur, schöne, fast abstrakte Bilder, die einen möglicherweise gewaltsamen Vorfall andeuten. Rut Blees Luxemburg verwendete für ihre Londoner Nachtansichten "Feuchte Blätter" und "Enges Bretterhaus" (1998) lange Belichtungszeiten, wodurch jegliche menschliche Anwesenheit aus dem Bild verschwunden zu sein scheint und das grelle Licht der Stadt bei Nacht noch betont wird. Obwohl Londons Bürger auf diesen Photographien offenbar verschwunden sind, haben sie dennoch ihre Spuren in der urbanen Landschaft hinterlassen, so wie jede Landschaft Anzeichen von Kultur enthält. Photographien wie "Imagine Green is Red" (1998) von David Shrigley stehen in der Tradition surrealistischer Absurditäten. Keith Coventrys Bild "Nunhead Estate" (1992) lehnt sich mit seinen schwarzen geometrischen Formen an städtische Sozialbauten an. Coventrys Baumstümpfe - Bronzeplastiken mit Titeln wie "Queens Road SE15, Planted 1988 destroyed 1992" (1994), deren Vorbild die aus Wachstumsgründen geschnittenen und kümmerlich aussehenden Baumtorsi in den Städten sind - repräsentieren die Landschaft der zeitgenössischen Stadt. Wolfgang Tillmans hat in seiner 9-teiligen Fotoserie "Concorde" (1997) die Landebahnen am Flughafen Heathrow und am Himmel über West-London dokumentiert, an denen die Flugzeugikone auftaucht.

Ross Sinclair: The Sound of Young Scotland (1996), The British Council Collection * The Artist Im Video "The Sound of Young Scotland" (1996) sitzt Ross Sinclair in der idyllischen schottischen Landschaft der Isle of Eigg. Er kehrt uns den Rücken zu, auf dem man die Tätowierung "Real Life" lesen kann, und singt ein Medley traditioneller schottischer Lieder von der Liebe zu seiner Heimat. Ross Siclair: The Sound of Young Scotland (1996) The British Council Collection * The Artist Eine Untersuchung der populären Vorstellungen von der Kultur Schottlands und ein Versuch, ihr abzugewinnen, was davon "wahr" ist.

Die Reihenfolge der im folgenden genannten Künstler und Werke entspricht dem Rundgang durch die Galerie. Er beginnt mit den "Infizierten Blumen" (1996) von Mat Collishaw. Photos in Lichtkästen, die die Auswirkungen von menschlichem Hautkrebs zeigen, wurden digital mit Aufnahmen von Blumen vermischt. Wie ein Kinderhorror mutet das benachbarte Motiv an, wie ein Kinderabzählreim sein Titel: "Wer ist schuld am Tod des Rotkehlchens?" Die Landschafts-Nahaufnahmen von Willie Doherty "Minor Incident" - "Kleiner Zwischenfall" (1994 & 1996) spiegeln mit viel Poesie die Atmosphäre um die anhaltenden britischen Auseinandersetzungen mit Nordirland wieder. Oft arbeitet Doherty in seinen schönen, fast abstrakten Bildern mit Wörtern, deren Botschaften gepaart mit den nicht gerade schönen Landschaftsdarstellungen, deprimierend, fast hoffnungslos, nie aber didaktisch anmuten.

David Rayson kommt aus Wolverhampton, einer Industriestadt in Mittelengland. Seine beiden Gemälde halten detailgetreu Blicke einer oft von ihm beschrittenen Strecke zwischen Ashmore Park und Wednesfield fest, einer Zwischenlandschaft, nicht Stadt, nicht Land, ein Gewerbegebiet, durch das sich ein Kanal und eine Asphaltstrecke ihren Weg bahnen, vorbei an einer zerstörten Bank oder einer Brücke. Selbst das Kaugummipapier ist im Vordergrund zu erkennen, während im Hintergrund Lagerhäuser dominieren. Keith Coventrys Bild "Nunhead Estate" (1992) lehnt sich mit seinen schwarzen geometrischen Formen an abstrakte Pläne innerstädtischer Wohnblocksiedlungen mit Sozialbauten an. Dort findet man sich oft vor großen Orientierungstafeln mit dem obligatorischen Pfeil "You are here", zu dem die urbane Landschaft im Stile der russischen Suprematisten auf dem "Ontological Painting" reduziert ist. Die Skulptur "Peninsula" (1998) von Tania Kovats erinnert an altertümlich kitschige Grotten- und Höhlendarstellungen oder Motive religiöser Malerei, wirkt wie herausgeschnittern aus einer realen Landschaft und könnte ebenso ein Segment einer wissenschaftlichen Illustration sein, die von den Galeriewänden eingerahmt wird.

Mariele Neudecker hat eine Schiffsreise vom französischen Hafen Calais über den Kanal bis zu den weißen Klippen des englischen Hafens Dover dokumentiert, indem sie alle 8 Minuten eine Photographie erstellte. So entstand eine zeitgenössische Version des Panoramabildes. Die Diaprojektion mit der Aussicht vom "Rozel Point, Great Salt Lake, Utah" (1997) von Tacita Dean zeigt einen spiegelglatten See und bildet damit den Schlußpunkt einer Reise, die der Suche nach Robert Smithsons legendärer, untergegangener Landschaftsstörung "Spiral Jetty", einem Land-Art-Piece von 1970 und sehr bekannten Eingriff in die Natur, gewidmet war. Dean hörte während eines amerikanischen Filmfestivals von dem Gerücht, die imaginäre Anlegestelle aus Stein, die in den Großen Salzsee in Utah ragte und aufgrund des Salzgehalts des Sees an der Wasseroberfläche blieb, wäre wieder aufgetaucht. Der Legende nachgehend und Smithsons wegweisenden Instruktionen folgend (wie ernsthaft allerdings, bleibt unklar), begab sie sich mit einem Freund spontan auf die Autoreise und Suche nach der Landschaftsinstallation. Während dieser Autoreise entstanden die Aufnahmen zu einer weiteren Arbeit des "Spiral Jetty"-Komplexes, der Klangarbeit "Trying to Find the Spiral Jetty" (1997). Deans künstlerischen Ansatz bilden wahre Informationen oder Geschichten, die weiterverarbeitet werden und sich "unterwegs", während ihrer Recherchen durch eigenes Dazutun, eigene Erlebnisse ändern. Verschiedene künstlerische Medien kommen dabei zur Anwendung: Zeichnung, Film, Klang, Objekte. Dean fühlt sich angezogen von dem Wagemut, der oft mit der See, dem Wasser, der Schifffahrt in Verbindung gebracht wird. Die scheinbar am Computer entworfenen zwei- und dreidimensionalen Arbeiten von Julian Opie ("Landscape (1)" von 1995 und "Imagine You Are Landing (Three Barns)" von 1994 unterliegen einer allgemeinen Klassifikation der Umwelt. Trotz ihrer scheinbaren Leblosigkeit haben die Arbeiten etwas Erzählerisches.

Es folgt ein Textbild des als "Bob and Roberta Smith" bekannten Künstlers, der eigentlich Patrick Brill heißt, aber glaubt, mit seinem Künstlernamen mehr Aufmerksamkeit zu erregen und sich deswegen umbenannte. Smiths absurde Texte befassen sich oft mit mißglückten Geschichten aus der Kunstwelt, Musik oder Politik. Oft tauchen absichtlich eingebaute Schreibfehler auf. Bei "I Believe in Joseph Mallard William Turner" (1999), einer durchaus ernstgemeinten Liebeserklärung an den großen englischen Landschaftsmaler, ist es das Wort "Mallard" ("Stockente"), das etwas irritiert, denn der zweite Vorname des englischen C.D. Friedrichs ist eigentlich "Mallord": eine humorvolle Veränderung ohne Zeigefinger, hintergründige Botschaft oder Zynismus, denn Aussage und Darstellung kippen nicht in eine andere Richtung, sondern funktionieren weiter. Oft sind Smiths Werke absichtlich schlecht gearbeitet. Smith spielte auch in einer Punkband, wie man im Hintergrund der benachbarten Videoeinspielung "Flawed" ("Fehlerhaft", 1996) hören kann. Zur Gitarre singt er davon, dass es ihm gut geht. Die Künstlerin aus dem Nachbaratelier, Fiona Banner, klopft an seine Tür und fragt an, ob er jetzt nicht mal aufhören könne ("Muß das sein..."), sie müsse sich konzentrieren und ernsthaft arbeiten.

David Shrigley aus Glasgow hat in seinem "Plan des Skulpturen Projektes in Münster" (1997) aus der Erinnerung seines Spaziergangs durch diese Schau mit Kunst im öffentlichen Raum einen Orientierungsplan entworfen, der allerdings sinnfremd ist und nicht zur Verwendung empfohlen werden kann. Stellen wie die zum "Testen von Stiften" oder die massenhaft auftauchenden Orientierungsmarkierungen "You are here", "And Here", "And Here" in der Liste der abgehakten Künstlernamen (ohne jeden Bezug zum Plan) zeugen davon. Weitere Arbeiten Shrigleys finden Sie im weiteren Verlauf des Rundgangs. Die witzig betexteten Photographien von David Shrigley wie "Imagine Green is Red" (1998) erinnern an Werke von Magritte und an Land Art und sind in der benachbarten "Wielandschaft" von Jenny Weiß (Weimar) zu finden, einem ursprünglich als Goethe-Ruheraum (= Christoph-Martin-Wieland-Leseraum) eingerichteten 365-Tage-Environment (ein Mini-Amphitheater in einem dreieckigen Raum) zur Beschäftigung mit "Papa Wieland" innerhalb des Kulturstadtjahres 1999 untergebracht. Folgende Texte befinden sich auf den Arbeiten: "Eines Tages wird ein starker Wind kommen und dann...", "Stein, darauf wartend, auf dich und deine Geliebte zu fallen, wenn ihr einen romantischen Küstenpfad entlanggeht", "Stell dir vor, grün ist rot", "Stell dir vor, ein Aschenbecher ist ein Kompaß/ Stell dir vor, eine Banknote ist ein Flugticket in die Wildnis/Stell dir vor, die Schlüssel zu deinem Fahrradschloß sind die Schlüssel zu einer Hütte im Wald/Stell dir vor, ein Feuerzeug ist ein Gewehr/Stell dir vor, ein Hund ist ein Pferd, auf dem man reiten kann/Stell dir vor, eine Zeitung ist eine Landkarte/Stell dir andere ähnliche Dinge vor, dann geh' nach Hause zum Fernsehen"/ "Schlechte Reise: Wir sind im letzten Wagen eines Zuges. Jedesmal, wenn der Zug in einen Bahnhof einfährt, bleibt ein Teil unseres Wagens, der Teil, in dem wir sind, im Tunnel. Dadurch fühlen wir uns schmutzig. Wir werden viele Stunden schrubben müssen, damit dieses Gefühl weggeht." Michael Raedeckers scheinbar "unbewohnte" Acrylgemälde "The Approach" ("Die Annäherung", 1998) und "Monument" (1998) erinnern an die Ästhetik der klassischen Moderne ebenso wie an die holländische Landschaftsmalerei und Formen abstrakter modernistischer Architektur. Peter Doig ist der einzige teilnehmende Künstler, der sich vorwiegend dem Thema Landschaft widmet. Romantische treffen auf abstrakte Elemente, wie auf der kleinformatigen Öl/Papier-Arbeit "Untitled" (1998), auf dem Ölgemälde "Hill Houses" von 1990/91 oder in den "Green Trees" (1998). Zum Kurzvideo "Swamp" wurde Doig durch den Horrorstreifen "Freitag der 13." inspiriert.

Im Video "The Sound of Young Scotland" (1996) begegnen wir Ross Sinclair, der Loblieder auf seine schottische Heimat singt, um ihr das verbliebene "Echte" abzugewinnen. Die selbstgebaute Projektionswand ist absichtlich rustikal gehalten. Sinclair kennt sich aus mit der schottischen Geschichte, schrieb einen (nicht ganz ernstgemeinten) Artikel über die Idee, Schottland zu einem Themenpark umzubauen, das ganze Land als touristisches Disneyland anzusehen. Er spielte und sang in einer Punkband. Auch in Kunsträumen gibt er singend Performances innerhalb schottisch-klischeehaft anmutender Landschaftsinstallationen zum besten. Mit den Touristenklischees von Schottland aufzuräumen, mag andererseits eines der Ziele Sinclairs zu sein. Mit starkem Interesse am Sublimen sucht Paul Winstanley in seinen photographisch erscheinenden Ölgemälden "Landscape 6" und "Landscape 3" (1993) die Grenzen zwischen Endlichem und Unendlichem auszuloten. Wieder begegnen wir dem zeitgenössischen Blick aus dem Autofenster. Sein bekanntestes Bild "Lounge" von 1997 zeigt den menschenleeren Raum einer Institution, in deren Interieur nur eine Person zu sehen ist: In der Mitte des Raumes hängt C.D. Friedrichs Gemälde "Der Wanderer über den Wolken". Friedrich hat Winstanleys Werk ebenso beeinflußt wie Gerhard Richter. Rachel Lowe's 3-Minuten-Video "Letter to an Unknown Person No. 6" (1998) ist ein Versuch, zu zeigen, wie schwierig es ist, als Künstler das zu beschreiben, was man erlebt. Je intensiver dieser Versuch unternommen wird, desto weniger erkennt man. Während der bereits erwähnten Autoreise nach Utah wurden Tacita Dean und ihr Reisebegleiter stets von Mücken geplagt. Der Filmstreifen "Mosquito" im länglichen Rahmen symbolisiert diese Mückenplage. und gehört wie die Klangarbeit "Trying to Find the Spiral Jetty" (1997) und die Diaprojektion "Rozel Point" zu den drei Werken des "Spiral Jetty"-Themas. Chad McCails großformatige Bleistiftzeichnung "Spring" (1998) ist im Foyer des Hauptgebäudes der Bauhaus-Universität Weimar, Geschwister-Scholl-Straße 8, zu sehen (im Gang, der nach links abgeht, auf der rechten Seite), weil sie nicht durch die Türen der ACC Galerie passte.