ausstellung

Goethe-Ruheraum

ausstellung
365-Tage-Environment von Helga & Cornel Wachter, Köln.
Ein Christoph-Martin-Wieland-Leseraum mit der "Wielandschaft" von Jenny Weiß, Weimar.
1.1. bis 31.12.99, ACC Galerie. Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet.
Eintritt frei!

Die ACC Galerie hat einen Leseraum mit dem ironischen und äquivoken Titel Goethe-Ruheraum installiert. In diesem (dreieckigen) Environment kann der Besucher im "Welt-Goethe-Jahr" einerseits Ruhe vor Goethe finden, wird aber andererseits zu eigener Aktivität aufgefordert. Er/Sie sind eingeladen, ein Buch ihrer Wahl in die Nähe von C.M. Wielands "Sämmtlichen Werken" (Hamburger Ausgabe 1984) zu plazieren. Hierzu gibt es folgende Modalität zu berücksichtigen: Der Besucher begründet schriftlich, warum er der Auffassung ist, dass das jeweilige Exponat oder die Exponate in der Nähe zu Wielands Werk Aufstellung finden sollen. Eine Bibliothek entsteht. Das Mobiliar "Wielandschaft" von Jenny Weiß, Studentin an der Bauhaus-Universität Weimar, wird diese aufnehmen.

who the fuck is wieland?
Eine Nachrede

Die ACC Galerie Weimar widmete mit einer ganzjährigen Veranstaltungsreihe unter dem Slogan Who the fuck is Wieland? dem Dichter und Philosophen Christoph Martin Wieland (1733-1813) im Kulturstadt- und Goethejahr 1999 besondere Aufmerksamkeit. Neun Veranstaltungen, deren Höhepunkt die Wiederaufführung der Oper "Alceste" war, eine Ausstellung (UnterbezirksDada/Köln mit "Schatten & Esel") und das 5. Europäische Atelierprogramm des ACC und der Stadt Weimar ("hautnah"), waren Wieland verpflichtet. Der Goethe-Ruheraum mit der Wielandschaft von Jenny Weiß, Studentin an der Bauhaus-Universität Weimar, beherbergte vom 31.1. bis 31.12.99 "Sämmtliche Werke" Wielands (Schenkung des Wieland-Museums in Biberach/ Riß) und eine kleine Bibliothek, deren Bestand von Besuchern ergänzt werden konnte.

Viele Gespräche mit Wieland-Kennern im Vorfeld und im Anschluss an die Vorträge ließen die Wieland-Fan-Gemeinde wachsen, der es an Selbstbewusstsein nie gemangelt hat, aus gutem Grund, denn Wieland gilt als "Vorklassiker", war der erste der Berühmten, die von der regierenden Herzogin Anna Amalia an ihren Hof berufen wurden und der Mit-Initiator des an einem Ort zu einer Zeit regen geistigen Lebens, dass bis heute einmalig in seiner Gesamtheit und Wirkung ist. Neben seinem umfangreichen und zu seiner Zeit vielgelesenen Werk war er als der Herausgeber des "Teutschen Merkur" mit verantwortlich, dass Europa Kenntnis hatte von der Weimarer Elite.

Höhepunkte der lebendigen Erinnerung an den Spracherneuerer und "deutschen Voltaire" Wieland waren für uns die Bekanntschaft mit Herrn Dr. Egon Freitag von der Stiftung Weimarer Klassik ("Wieland und die Liebe"), der seine Zuhörer an der eigenen Freude über Wielands Klugheit und dessen geistreichen und kunstvollen Stil teilhaben ließ, uns steter Begleiter und unerschöpflich wissensreicher Berater in Sachen Wieland war und dem unser besonderer Dank gilt, ebenso der Leiterin des Wieland-Museums Viia Ottenbacher und Herrn Dr. Heinrich Bock, die in Biberach an der Riß, der ersten Wirkungsstätte Wielands, sein Leben und Werk der Nachwelt in besonderer Weise erhalten und gern an uns vermittelt haben. Die Autorin Irmela Brender ("Living Next Door To Wieland"), die Berliner Schauspielerin Karin Liersch mit ihrem Wieland-Programm für Kinder (an drei Tagen nahmen Schülerinnen und Schüler mehrerer Klassen begeistert Anteil am Leben eines literarischen Ahnen und an seiner Zeit), Reinhard Hasenfus, der streitbare Wieland-Enthusiast ("Die dunkle Seite des Lächelns. Unorthodoxes laut gedacht") sind nur einige Namen in dem Reigen der Verfasser nachlesenswerter Vorträge zu Wielands vielschichtiger Persönlichkeit. Den vorläufigen Schlusspunkt setzt Dr. Anne Fleig, Literaturwissenschaftlerin, Jena/ Hamburg, mit ihrem Vortrag über die folgenreiche Begegnung Christoph Martin Wielands mit Maria Sophia Gutermann von Gutenhofen.

Realisiert werden konnte dieses umfangreiche und nachhaltige Wieland-Projekt mit Hilfe der Unterstützung vieler, vor allem zu nennen: die Initiatoren Helga und Cornel Wachter/Köln, die Thüringische Landeszeitung, die Thüringen Philharmonie Gotha-Suhl, die Stiftung Kulturfonds, das Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, das Kempinski Hotel Elephant Weimar, Omega Veranstaltungstechnik Weimar, der Veranstaltungsservice Weimar - interessant erleben, die Stadt Weimar und zahlreiche Spender. Ihnen gilt nochmals unser besonderer Dank.