ausstellung

TRITT GEFASST

Claus Bach und Bodo Korsig in Barcelona. Mit Unterstützung des Goethe-Instituts Barcelona.
Fotografie, Installation, Video, Objekte, Holzschnitt.
11. März bis 17. April 1998.
Eröffnung Mittwoch, 11. März 1998, 20 Uhr
Galeria Metropolitana Barcelona,
Torrijos, 44,
E-08012 Barcelona,
Tel 0034-3-2843183,
http://www.galeria-metropolitana.com

1) Mit dem doppelsinnigen Titel TRITT GEFASST wird die zweite Runde des Künstleraustauschprojekts zwischen der Galeria Metropolitana de Barcelona und der ACC Galerie Weimar eingeläutet. Im Sommer 1997 waren sieben Künstler der katalanischen Galerie mit ihrer Suite Barcelona in Weimar zu Gast. Im aktuellen Projekt der Künstler Claus Bach und Bodo Korsig werden traditionelle Bildherstellungstechniken wie der betagte Holzschnitt oder die vergleichsweise junge Fotografie grenzüberschreitend weiterentwickelt und kombiniert. Eine Methode, deren Wirksamkeit die beiden bereits 1995 mit ihrer gemeinsamen Installation Schußfelder demonstrierten. Korsig hatte eine Foto-Leinwandserie Bachs übermalt. Daneben wurde ein auf einem alten NVA-Schießplatz vorgefundenes Zielscheibengestell zum Mobile umfunktioniert. Reaktionen beider Künstler auf typische Erscheinungsmomente dieses Jahrzehnts waren und sind nicht zu verkennen.

2) Mit eiserner Energie betreibt Korsig, dessen bislang größte Ausstellung auf 1.000 qm im Städtischen Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen gerade eröffnet wurde, Spurensicherung unter Druck. Seine reduzierte, gestenreiche Bildsprache kann durchaus als eine Art Antipode zur technologisch-beliebigen weltweiten Fortschrittseuphorie unserer Tage stehen. Skizzierte oder fotografische Fundstücke verdichten sich später auf bedruckter Leinwand oder aus geschnittener Holzplatte zu einem hieroglyphischen Kosmos miteinander verwobener Dinge. In rastlosem, interkontinentalem Unterwegssein fixiert Korsig die zwischen vergänglichen Großstadtchiffren - "Altären der Neuzeit" - und unverwüstlichen, frühgeschichtlichen Felsmalereien gesammelten Eindrücke. Zwecks Bildformatvergrößerung setzt er auch eine Straßendampfwalze als Druckpresse ein. Die Kürzel von Armbrust, Libelle, Sonnenaufgang und Tragetasche schickt der Grafiker und Bildhauer in der Galeria Metropolitana gemeinsam auf Seelenwanderung - noch im Rahmen des Wandreliefs verharrend. Installativen Charakter tragen hingegen die Objektreihen Grenzwege und Remembrances.

3) Bachs Erzähl-Installationen umkreisen die äußerst widersprüchliche Kraft gegenwärtiger Medienlandschaft. Seine an den Massentourismus angelehnte Stadtrundfahrt durch den Klassikerort Weimar aus der Kanalisationsperspektive wird ab Mai im ACC gezeigt, ein anderes seiner weiteren Vorhaben heißt Paparazzi. In vielen Arbeiten Bachs hat die Fotografie Beispiel- und Stellvertreterfunktion. Unterste Arbeitsplattform bildet - wie bei Korsig - die Materialsammlung: aufgespießte Zeitungstexte, Zitate aus den elektronischen Medien oder Fotos. Eine Äußerung zu den künstlichen, weltweit immer realer werdenden Lebens- und Genußmentalitäten bilden die vitrinenhaften Mobiles in Instant, einer Synthese aus Reklamegestellen und Darstellungen von Teilungsvorgängen biologischer Zellen, den (noch unantastbaren) Grundbausteinen unseres Lebens. Die ortsbezogene Installation Umschlagplatz verweist auf die Informationsinflation der Medien. Gesammelte absurd-infantile Gewaltmeldungen aus katalanischen Printerzeugnissen steckt Bach in Briefumschläge und bringt sie tapetenartig an die Wände: Die Besucher der GMB können sich aktiv durch den Ausstellungsraum lesen.