ausstellung

Das A9 Projekt

Das A9 Projekt: 77,1 km Thüringen
Schlag Worte Sprüche Klopfen Über Schriften
Ein Kunstprojekt von Henrik Schrat (Berlin).
Projektorganisation: Peter Hochel (Transitgalerie).
3. bis 26. April 1998. Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet.
Eröffnung am 3. April 1998 um 19 Uhr durch den Schirmherrn der Ausstellung, den Thüringer Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Herrn Dr. Gerd Schuchardt.
Eine Einführung in das Projekt gibt der Berliner Kunstkritiker Peter Herbstreuth.

Gezeigt werden Dokumente und Relikte bereits realisierter Projektteile (wie den Ausstellungen "Zwischen den Säulen ein Zwischenraum", Galerie Kunst der Zeit, Dresden 1996, "45,1 km Brandenburg", Kulturministerium Potsdam, "Display 1", Autobahnraststätte Rodaborn), Installationen im städtischen Raum ("Worum es sich dreht", München Januar 1998), eine Serviceskulptur, die Objekte zur Kommunikation und Wahrnehmung anbietet, Grafiken und Texte sowie zwei Prototypen der Autobahnschilder. Sprichwörter und Schlagzeilen sind Gemeinplätze, die Meinung machen. Diese beiden Arten "verbaler Schilder" bezeichnen soetwas wie die Gegenwarts- und die Vergangenheitsachse in der Sprache. Wie sieht sich die Gesellschaft, wie beschreibt sie sich und wie formuliert sie das? Was wird ausgeschlossen und was wird eingeschlossen? Und: Wer spricht überhaupt? Die Formelhaftigkeit und die Vereinfachung komplexer Zusammenhänge durch Sprüche und Schlagzeilen bergen die Gefahr undifferenzierter, unreflektierter Kommunikation. Im Kunstobjekt aus ihrem Zusammenhang gelöst, wird ein Überdenken ihrer Funktionsweise ermöglicht. Der Wirkung der Sprache im sozialen Getriebe widmet Schrat (bekannt durch die Ausstellung EUROPE IN THE BOX und seine Dachinstallation zur ACC-Ausstellung Der rettende Engel) sein A9 Projekt. Henrik Schrat ist 1968 in Greiz, Thüringen, geboren. Von 1991 bis 1996 studierte er Bühnenbild/Freie Malerei an der HfBK in Dresden. Seit 1996 ist er Meisterschüler bei Professor Hornig.

Paare von Schlagzeilen aus deutschsprachigen Zeitungen der 90er Jahre und klassischen Sprichwörtern ("Arbeit ist des Ruhmes Mutter. - Millionen in den Sand gesetzt." oder "Schläge machen weise. - Durch Schreie geweckt.") sollen als Schilder von ca. 2 x 2 m, ab 1999 auf rund 200 Tafeln den Straßenrand der Autobahn A9 Berlin-München säumen, die als Projekt der deutschen Einheit zur sechsspurigen Nord-Süd-Tangente ausgebaut wird.

Natürlich steht bei solch einem Vorhaben die Verkehrssicherheit im # Vordergrund, weshalb daran auch als Projekt zur Erhöhung der Verkehrssicherheit gearbeitet wird. Gemeinsam mit Spezialisten der Universität Bremen werden die Standorte der Schilder und Texte ausgewählt. Anders als bekannte und bewährte Verkehrskampagnen (z.B. "Reisen statt rasen") arbeitet das A9 Projekt an der Autobahn nicht didaktisch. Es geht um unbewußte, psychologische Effekte, die visuelle Beeinflussungen an der Straße beim Fahrer erzeugen. Erkenntnisse der Wahrnehmungspsychologie und Sensomotorik werden einbezogen. Das bezieht sich z.B. auf den Anti-Einschlaf-Effekt oder auf einen Anti-Raserei-Effekt, eine Art "Erdung" des Fahrers.

Die Ausstellung in der ACC Galerie Weimar wird zur temporären Schnittstelle der Aktivitäten des Projekts.