ausstellung

Kopf an Kopf - Head to Head - Tête-à-Tête

Stipendiaten des 3. Europäischen ACC-Atelierprogramms 1997:
Åsa Elzén/Stockholm, Amanda Dunsmore/Belfast und Stefan Höller/Düsseldorf - Fotografie, Film, Installation, Objekte, Malerei.
Es erscheinen eine Broschüre und ein Plakat.
7. Februar bis 22. März 1998.
Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet. Führungen durch die Ausstellung jeden Sonntag 15 Uhr.
Eröffnung am 6.2.98 um 20 Uhr in der Großen Galerie mit der Tanzperformance Head Bangers von STEM (Amanda Dunsmore und Sean Taylor).
Nach(t) der Eröffnung: Ab 22 Uhr Konzert mit den Cuban Rebel Girls/Berlin im e-werk. Eintritt: 10 DM/7 DM.

Asa Elzen Das Salz, das Kriege verursachte und vielen Heilung brachte, das auf mittelalterlichen Handelsstraßen als "weißes Gold" ein Symbol des Reichtums war, ist der Kunst-Stoff der Schwedin Åsa Elzén. Der Verwitterungsprozeß der von ihr gehauenen und später im Freien aufgestellten Büsten ist in einem Kämmerchen dokumentiert. Elzéns Salz-Recherchen lösten bei ihr regelrechte Assoziationskettenreaktionen aus. Sie stieß auf ein Gradierwerk im Kurort Bad Sulza. In einem langen, von hölzernen Wänden umgebenen Gang entstand ein Super-8 Film, der drei Gestalten mit weißen Umhängen zeigt. Zur Heilung der Atemwege inhalieren sie die salzhaltige Luft, die durch die immerfort über Zehntausende Reisigbündel tröpfelnde und dabei fein zerstäubende Sole entsteht. In einem ehemaligen Kurhotel entstanden 13 Raumaufnahmen. Indizien ihrer Verwahrlosung sind u.a. zerstörte Waschbecken und aufgeschlitzte Federbetten. Eine Rauminstallation schildert diese Situation. Die Ähnlichkeit der Waschbecken mit denen im ehemaligen KZ Buchenwald erinnerte Elzén daran, daß KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit in die Salzmine Merkers abkommandiert wurden.

Amanda Dunsmore Eine Zeitlang gesellten sich 40 Holzkisten zu anderen Überbleibseln einer schnell vergessenen Zeit, wie einem einsamen Pin-up-Girl. Als Zwischenlager für deren Inhalt, 917 Weimarer Straßenschilder, konnte Amanda Dunsmore die Halle Roter Oktober nutzen, eine "Industriekathedrale" mit gleichsam sonderbarer Vergangenheit. Sie sucht nicht nach Objekten wie den Schildern, sondern die Objekte fanden sie. Dunkelblau aller Schattierungen schmückt nun einen Raum des ACC. In diesem Archiv aus emailliertem Blech, zur kommunikativen Kunst erhoben, befinden sich auch jene Zeichen, die der Zeitgeist schon wieder aus seinem geistigen Gemeingut gelöscht hat, wie eben anläßlich epochaler Umbrüche die Stadtgeschichte mittels Schönheitskorrekturen verbal zurechtfrisiert wird. Die Straße der Jungen Pioniere (heute Ernst-Kohl-Straße), der Karl-Marx-Platz (mit Stalindenkmal; heute Carl-August-Allee, früher Museumsplatz und Platz Adolf Hitlers), die OdF-Siedlung (Opfer des Faschismus) oder die Straße am Haus der Jugend (in der Fachliteratur nicht zu finden), seien genannt. Der Werktitel Plan verrät die geplante Zukunft der Präsentationsidee.

Stefan Hoeller Neben der Arbeit im Schloßmuseum widmete sich Stefan Höller dem Malen von Interieurs im Wohnhaus Goethes und seinem Gartenhaus an der Ilm. Hinter seiner Staffelei sitzend, versuchte er hier der Faszination dieser, für die kulturelle Identität Weimars so wichtigen Orte auf den Grund zu gehen. Der Künstler war erstaunt über die Leere, in der sich das frisch restaurierte Idyll des Gartenhauses seinen Besuchern präsentiert. Trotzdem kommen sie täglich in Scharen, um die Nähe ihres unsterblichen Goethe zu spüren. Umberto Eco schreibt, daß, nachdem man jahrelang ein Kunstwerk bewundert hat, irgendwann der Moment kommt, "wo das Werk uns nur noch deswegen als schön erscheint, weil wir es so lange dafür gehalten haben; und der Genuß, den wir heute daraus ziehen, ist nur noch die Erinnerung an das Vergnügen, das wir früher bei seiner Betrachtung hatten. Tatsächlich rührt es uns nicht mehr und kann daher weder unsere Intelligenz noch unser Vorstellungsvermögen zu neuen Abenteuern animieren."

(Fragmente des Texts wurden der Ausstellungsbroschüre entnommen Autorin: Mary Rozell Hopkins,
Fotos: Claus Bach)