13. Internationales Atelierprogramm der ACC Galerie Weimar und der Stadt Weimar

AUSSEN VOR



Internationales Atelierprogramm der ACC Galerie und der Stadt Weimar (seit 1994)

13. Internationales Atelierprogramm 2007 'Außen vor - On the outside'

Kontakt:
studioprogram@acc-weimar.de

Bewerbungsschluss war der 8. Dezember 2006

Künstler des 13. Internationalen Atelierprogramms 2007

Die Jurysitzung für das 13. Internationale Atelierprogramm der ACC Galerie und der Stadt Weimar fand am 16. Dezember 2006 statt. Aus 157 Bewerbungen wurden 3 Künstler(innen) für den Aufenthalt in Weimar ausgewählt. Die Jury bestand aus folgenden Fachleuten: Chus Martinez, Kuratorin und Direktorin des Frankfurter Kunstvereins, Noboru Tsubaki, japanischer Künstler und Direktor der Abteilung Space Design an der Kyoto University of Art and Design, Ursula Seeger, Referentin für Bildende Kunst bei der Stadtkulturdirektion Weimar, Dr. Kai-Uwe Schierz, Kurator und Direktor der Kunsthalle Erfurt und Dr. Ulrike Lorenz, Kuratorin und Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie Regensburg.

Kristin Lucas aus den Vereinigten Staaten (Feb - Mai, 2007), Yochai Avrahami aus Israel (Juni - Sep, 2007) und Xabier Salaberria aus Spanien (Okt 2007 - Jan 2008) werden jeweils 4 Monate in Weimar leben und an dem Thema "AUSSEN VOR" arbeiten.

AUSSEN VOR

Blickt man in die Welt, scheint sich der globale marktwirtschaftliche Kapitalismus unentbehrlich gemacht zu haben. Kaum ein Fleck der Erde ist vor ihm sicher, sein Erfolg verdrängt jegliche alternativen Formen der gesellschaftlichen Organisation von Produktion, Verteilung und Verbrauch. Jeglicher Ausdruck des Widerspruchs, des Protests oder der Resignation angesichts der Übermacht der herrschenden Verhältnisse wird bereits als folkloristisches Element in den Mainstream integriert. Außerhalb dieser letzten noch übrigen Idee aus dem Versuchslabor der Gesellschaftsordnungen scheint nur Leere zu sein, jedes Draußen ein vermeintlich gefährlicher Ort.

Gerade Künstler finden jedoch immer wieder einen kritischen Zugang zu dem Außerhalb unseres Systems, sie sind eher noch als andere Menschen sensibel für individuelle und kollektive Sehnsüchte nach dem politisch und wirtschaftlich Anderen. Und dies auch dann noch, wenn sie verzweifelt in Einsiedelei verfallen, weil sie einsehen oder einsehen müssen, dass es ein Außerhalb nur noch in der Fantasie der Kunst geben kann.

Häufig stellt sich das als Suche nach all dem dar, was das System bislang hat nicht vereinnahmen können, da es als unfruchtbar, unproduktiv, abwegig, unbequem, schäbig oder beängstigend qualifiziert wird. Dieses Suchen setzt voraus, dass es ein Außerhalb des Systems überhaupt gibt - gleich wie romantisch verklärt, anfechtbar oder lebensfern es auch immer sein mag. Kunst schafft Möglichkeiten, anders denken oder sich Zusammenhänge anders vorstellen zu können. Ästhetisch-künstlerische Praxis kann ein radikales Werkzeug sein auf der Suche nach alternativen Varianten menschlichen Organisierens. Dies gilt auch und gerade, wenn politische Ideologien und wirtschaftliche Systeme mit ihren Machtstrukturen und hierarchischen Strategien hinsichtlich eines umfassenderen Verständnisses von der Welt immer wieder Grenzen aufzeigen und der direkten Kommunikation im Weg stehen.

Das 13. Internationale Atelierprogramm der ACC Galerie Weimar und der Stadt Weimar thematisiert den Ausweg aus dem "no way out", die Sprengung des Rahmens, die Frage nach dem Dahinter, die Ästhetik des Draußen, Wege, ein heidnisches Ketzertum zu evozieren: konkrete Fragen zu stellen, nicht Ziele vorzugaukeln. Haben die drohende Auslöschung der Menschheit durch einen globalen Krieg, das mögliche Ende des Fortschritts, die zunehmend sichtbar werdende Zerstörung der Umwelt, die warnende Prophezeiung vom Ende des Wachstums und der Wegfall der überkommenen Wertesysteme in der westlichen Hemisphäre, neben dem gesellschaftlichen Phänomen der allgemeinen Sinnkrise, auch zu einer Stimulanz der Suche nach Auswegen, der Abgrenzung zum und Überwindung des Systems geführt? Dafür gilt es, eine Beweisführung mit künstlerischen Mitteln anzutreten. Kann Kunst immer noch Waffe sein, um die fragwürdige Logik der Konsum- und Fortschrittsspirale für ein immer komfortableres Leben nebst einem dadurch realer werdenden Dystopia zu durchdringen und die richtigen Türen nach draußen zu finden, wenn wir außen vor sein möchten?

Bewerben sollten sich Künstler, die die Grenzen der Wirksamkeit des Systems ausloten, die zum Außerhalb unseres Beziehungs- und Regelsystems Untersuchungen anstellen, die die Schwellen zum Draußen oder gar das Draußen selbst thematisieren. Dabei soll es nicht in erster Linie um die Passivität der inneren Emigration, der geistigen Auswanderung und der möglichst großen Distanz zur Macht gehen. Vielmehr sollen aktiv Potenziale aufgezeigt werden, die die Möglichkeiten des Fühlens, Denkens und Handelns außerhalb der Logik des Systems anbieten. Gefunden werden sollen Künstler, die sich als Schrittmacher und Wegbereiter für ein lebenswertes Außerhalb begreifen, anstatt sich auf eine Rolle als kompromissbereite und konsensorientierte Statisten des Innerhalb zu beschränken.

Kontakt:
studioprogram@acc-weimar.de


Weitere Informationen:

    Mobilmachung eines Suchtrupps
    Die Stipendiatin Kristin Lucas erzählt von ihren Bemühungen, als Antwort auf das Thema des ACC-Atelierprogramms AUSSEN VOR mittels öffentlicher Gespräche und Online-Foren in Weimar einen Suchtrupp zusammen zu stellen.