10. Internationales Atelierprogramm - Bewerbung



10. Internationales Atelierprogramm der ACC Galerie und der Stadt Weimar (2004)
10th International Studio Program of the ACC Galerie and the City of Weimar (2004)

Kristina Leko
Tea Mäkipää
Martin Sastre


Kontakt - Contact:
studioprogram@acc-weimar.de

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10. Internationales Atelierprogramm der ACC Galerie und der Stadt Weimar

Der Begriff der Ironie, der wie ihre schillernde, spielerische Natur selbst viele Facetten kennt, entzieht sich einer eindeutigen Definition. Erwähnt wird oft die "sokratische Ironie" - eine geheuchelte Unwissenheit als scheinheilige Pose, die der griechische Philosoph vor mehr als zwei Jahrtausenden einzunehmen liebte: Im Kern das Gegenteil von dem zu sagen, was man meint bzw. was wahr ist, um die Wahrheit zu unterstreichen - sich der Lüge zu bedienen, um die Lüge zu entlarven. Wie auch immer, das Ironische scheint neben dem Absurden unser ständiger Alltagsbegleiter, aber auch als Überlebensvehikel, Strategie und Streitkraft so unumgänglich wie nie zuvor zu sein. Man könnte meinen, die Ironie regiere uns. Wir selbst machen uns lustig und lästern zunächst, auch über uns, gehen zögerlich mit unserem Glauben und Vertrauen um, lassen uns schwerlich auf etwas ein. Mediengeschult und witzsensibel - treten wir auf dem doppelbödigen Plateau der Ironie aufnahmebereiter und reaktionssicherer auf als im zugewachsenen Dschungel aus Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit.

Nach der Katastrophe von 9/11 wurde vielerorts das Ende der Ironie diktiert, proklamiert, gefordert, was einen modischen Begriff wie den der "Post-Ironie" heraufbeschwor. Selbst der deutsche Philosoph Friedrich von Schlegel aus Jena (1772-1829), der in der "romantischen Ironie" als ihr Erfinder u. a. die Selbstparodie sah, die es ermögliche, "den Scherz gerade für Ernst und den Ernst für Scherz" zu halten, wurde angesichts des Krieges von 1804 vom Ernst des Lebens gepackt und forderte die Abkehr von Spaß und Ironie. Ironiefeindliche Haltungen kehren in Krisensituationen immer wieder und wechseln sich seit der Antike wiederholt mit Phasen ihrer Hochkonjunktur ab, in denen die Ironie nicht einfach rhetorische Strategie und Mittel bloßen Humors bleibt. Spätestens in solchen Momenten kann sie als Erkenntnismodell Alternativen zu bestehenden Denkweisen und Verhältnissen bieten und gewinnt an kritischem, teils subversivem Potenzial. Ihre sprachliche, geistige und künstlerische Anwendung kann dabei zur (nicht ungefährlichen) Herausforderung gegenüber vorherrschender Kultur, Moral, Staatslehre, Religion, dem Diskurs etablierter Hierarchien und bestehender Machtkonstellationen führen. Eine Vorreiterrolle kommt dabei der Kunst in ihren vielen Spielarten zu.

Die Methode, tradierte ästhetische Ordnungsprinzipien auf ironische Weise in Frage zu stellen, um den Betrachter und seine Wahrnehmungsmuster zu verunsichern, lässt sich von der Avantgarde bis zur Postmoderne, von Marcel Duchamps "Meta-Ironie" der Indifferenz über die subversiven Strategien John Heartfields und die Wahrnehmungsfallen des René Magritte bis hin zu den Künstlern, die seit den 1960er Jahren das ironische Weltbild prägten, wie Andy Warhol, Marcel Broodthaers, die Guerilla Girls, Sigmar Polke, Rosemarie Trockel, Jeff Koons, Martin Kippenberger und Maurizio Cattelan, verfolgen. Welchen Platz nimmt die Ironie in der gegenwärtigen Kunstpraxis ein? Brauchen wir sie noch, wenn sie sich in entschärfter, gehemmter, geschwächter Spielart im Fahrwasser des selbstreferentiellen Postmodernismus herumtreibt, um schon die bloße Spur hin zur Ernsthaftigkeit und aussagekräftigen Position zu verwischen? Gibt es überhaupt so etwas wie neue Strategien und Konzepte der Ironie in der Kunst, die deren Vorreiterrolle gerecht werden und die Realsatire der kapitalistischen Wertegesellschaft hinterfragen? Zunehmend ist es die Ironie um ihrer selbst willen - belanglos und frei von Ansichten, unfähig, irgendetwas ernst zu nehmen oder Bedeutung zu transportieren - die uns potenziert im Fernsehen und anderen Medien begegnet. Was passiert, wenn diese Form der Ironie lebensbestimmend ist und Dinge wie Vertrauen, Glauben, unverfälschte Hinwendung, offene Aussagen und Ernsthaftigkeit ihrer scheinbaren Wirkungslosigkeit wegen ersetzt?

Wer auf die hier gestellten Fragen künstlerische Antworten sucht oder in die Tat umsetzen möchte, sollte sich zur Teilnahme am 10. Internationalen Atelierprogramm der ACC Galerie und der Stadt Weimar bewerben.