Hautnah (1999)

Internationales Atelierprogramm der ACC Galerie und der Stadt Weimar (seit 1994)

Kontakt:
studioprogram@acc-weimar.de

Städtisches Atelierhaus

Während des Kulturstadtjahres, das auch "Welt-Goethe-Jahr" heißen könnte, wird das ACC eine lebendige Verbindung zum verschollenen großen Dichter und Denker Christoph Martin Wieland (1733-1813) herstellen. Im Gedenken an Wieland wird das Europäische Atelierprogramm 1999 als Leitthema eine Geisteshaltung des Schriftstellers aufnehmen. Obwohl bekannt für sein umfangreiches literarisches Werk (u.a. "Lady Jane Grey" und "Die Geschichte Agathons"), war vielleicht der bedeutendste Beitrag des "deutschen Voltaire" die "erotische Aufklärung", die er persönlich durchlebte und für die er leidenschaftlich kämpfte. Am Ende des 20. Jahrhunderts ist der Mensch nicht mehr eingeengt durch die Zwänge der Tugendhaftigkeit, alle Tabus und moralischen Grenzen scheinen gebrochen. Gibt es dadurch im Leben mehr Sinnlichkeit und Erotik? Bei grenzenloser Ausdrucksfreiheit stellt sich heute die Frage, was sinnliches Vergnügen sein kann. In der transitorischen Hülle der "Haut" erfährt das Subjekt nach wie vor die letzte gegebene Grenze gegenüber seiner Umwelt. Ab 1.1.99 werden Dimitrious Antonitsis (Griechenland), Monika Dutta (England), und Sophia Kosmaoglou (Griechenland) jeweils vier Monate zum Thema in Weimar arbeiten.

Sophia Kosmaoglou, Athen

Die dritte Stipendiatin des diesjährigen Atelierprogramms der ACC Galerie und der Stadt Weimar zum Thema "hautnah", inspiriert durch die von Christoph Martin Wieland lancierte erotische Aufklärung, ist Sophia Kosmaoglou aus Athen. Sie wird bis Ende Dezember 1999 im Städtischen Atelierhaus leben und arbeiten. "Hautnah" ist Sophia Kosmaoglou mit dem leitmotivisch immer wieder in ihren Arbeiten auftauchenden Thema der Subjektivität verbunden. Dem romantischen Konzept der Liebe näherte sie sich bisher mit geradezu wissenschaftlicher Distanziertheit mit Hilfe unterschiedlichster Medien. Unter dem Arbeitstitel "I've got the whole world under my skin" möchte Kosmaoglou das Verhältnis von Innen und Außen, von Privatem und Öffentlichem umkehren. Sie wird sich zu diesem Zweck sowohl mit den Weimarern interaktiv über den Begriff "Begehren"auseinandersetzen, als auch Leder- und Stahlplastiken, zum Teil mit mechanischen Bewegungs-mechanismen versehen, erstellen.