die kleine Galerie 1988 - 2000

Die kleine Galerie wurde im Zuge der Umgestaltung der Galerie im Jahre 2001 aufgelöst. Die Räume der ehemaligen kleinen Galerie beherbergen nun die Universitätsgalerie im ACC und werden auch für die großen Ausstellungen mitbenutzt.

Nichtsdestotrotz wollen wir Ihnen nicht vorenthalten, was die Kleine Galerie früher war:

Bitte beachten Sie, dass der nachfolgende Text eher dokumentarischen als aktuellen Charakter trägt.

Mein Standpunkt war noch an der Dachluge.

Die Kleine Galerie, 1988 gegründet, zeigte bisher 74 Ausstellungen. Angefangen bei Trümmerfrauendokumenten und Milchtüten bis hin zum A9 Projekt des Berliners Schrat und der ersten Weimarer Lomowand reichte das Spektrum des Ausstellungsgutes. Nachdem der langfristig konzipierte Plan der Zusammenführung und gemeinsamen inhaltlichen Nutzung beider ACC Galerien über eine Brücke unerwarteterweise vereitelt wurde, bleiben die Wand an Wand liegenden Teile weiterhin voneinander getrennt.

In der Kleinen Galerie wurden - neben speziellen Kabinettausstellungen in loser Folge - Werke von Künstlern in einer ständig wechselnden Schau zum Verkauf angeboten, die mit der Galerie aufgewachsen sind oder ihr nahestehen. Ihre zum Teil ersten Personalausstellungen wurden oft von Katalogen begleitet, die gleichermaßen wie die ACC-Sommer-Kataloge im Bauhaus-Format und die zahlreichen, jetzt auch im ACC Café-Restaurant ausgestellten, Plakate eingesehen und gekauft werden können. Ebenso werden Teile der ACC-Sammlung präsentiert, die im Laufe der letzten fünf Jahre von den Teilnehmern des Europäischen ACC-Atelierprogramms für Weimar erarbeitet wurden.

Die kleine Galerie zeigte Arbeiten von Claus Bach,Liz Bachhuber,Peter Bauer, Tatjana Bergelt, "Julia Bornefeld",Ulrike Dornis, "Harald Frackmann", Gary Goodman, "Elizabeth-Jane Grose", den Gugginger Künstlern, Bodo Korsig, Ralf-Rainer Odenwald, Naomi Tereza Salmon, Torsten Schlüter, Margreet Ubels, Jan Wenzel u.a.

Über einige der "Künstler des ACC" sind weitere Informationen verfügbar. Anläßlich des fünfjährigen Bestehens des Europäischen Atelierprogramms der ACC Galerie stellen wir noch einmal alle bisherigen Teilnehmer und deren Ausstellungsbeiträge vor: Harald Fetveit aus Oslo war 1995 nach Elizabeth-Jane Grose aus London der zweite Stipendiat des Programms "Allegorien". Sein dreiteiliges Weimarer Installationsprojekt setzte sich zusammen aus: 1) Der Rekonstruktion seiner Stipendiatenunterkunft innerhalb der Galerie, die er selbst bewohnte und zusätzlich mit einem Fries 450 mittelformatiger, während seines Weimar-Aufenthalts aufgenommer Alltagsfotografien als Zeitzeugen seines Daseins, versah. In einer massiv mit klassischer Vergangenheit "belasteten" Stadt wie Weimar als Künstler wahrnehmen zu können und wahrgenommen zu werden - dieses Thema zog sich durch die Arbeiten des scharfsinnigen Norwegers. 2) Einem 1:1000-Modell der Weimarer Innenstadt, gegossen aus menschlichem Blut und motiviert durch zwei deutsche Begriffe, dem Wort herzblut und der Floskel von Weimar als "Herz deutscher Kultur". Am Ende langwieriger konzeptioneller Arbeit sollte das Objekt nach Fertigstellung in den Kunstsammlungen zu Weimar aufgestellt werden, was jedoch aus terminlichen Gründen nicht mehr zustande kam. Das Modell ist in der Kleinen ACC Galerie zu sehen. 3) Einer nächtlichen Lichtinstallation aus sechs, über einen halben Quadratkilometer verteilten, spezialgefertigten Scheinwerfern, die in unterschiedlicher Rotationsgeschwindigkeit unablässig leuchtturmartige Lichtkegel kreisförmig über die rauhe, winterliche Bodenstruktur einer Wiese im Tiefurter Park aussandten und die Erde "abtasteten".

Die slowenischen Künstler Alen Ozbolt und Janez Jordan aus Ljubljana arbeiteten 1984-96 unter dem Kürzel "VSSD" ("Ves slikar svoj dolg", zu deutsch "Kennst Du, Maler, Deine Pflicht"), das eine Frage ohne Antwort war, zusammen. "Space-Painting" nannten sie ihre komplexen Arbeiten zwischen Malerei und Skulptur, die in ungewöhnlicher Technik Auge und Hand verwirrten, den Betrachter berührten. Wenn das Auge unsicher wird, ist die Hand gefragt, um die optische Täuschung zu prüfen. Manchmal nennt man dies Illusion. Das Manifest von VSSD sagte, dass auch die Realität eine Illusion sein kann. VSSD wollte nicht für eine bessere Zukunft, sondern für eine bessere Ver-gangenheit arbeiten. Als Graffitikünstler startete VSSD seine Künstlerkarriere außerhalb von Galerien, in den Straßen von Ljubljana. Bei dieser Nachtkunst - nicht ganz legal und ungefährlich - war es besser, als Paar zu arbeiten: Wenn einer malte, stand der andere Schmiere. 1986 hatten die beiden in der Galerija Skuc, der bedeutendsten Multimediainstitution in Slowenien, die Ende 1999 im ACC vorgestellt wird, ihre erste Ausstel- lung. Schon damals zielte die Arbeit des Paars auf die Nutzung des gesamten Raumes ab, nicht nur Wände, sondern ebenso Decke und Boden. Die Galerie betretend, sollte man in ein Gemälde hineingehen, der Besu- cher sollte es nicht nur betrachten, sondern auch betrachtet werden. Gebrannte Bilder, die man riechen konnte, gehörten ebenso zum Konzept wie die eigens für den Raum komponierte "Musik für den Betrachter". Filigrane und fragile Strukturen aus Hunderten Kilogramm Sand und Farbpigmenten verwandelten den Bo-den, in "To see or not to see", in ein vergängliches, nicht reproduzierbares und sich durch äußere Einflüsse langsam zerstörendes Gemälde, als ob man eine Landschaft aus einem Flugzeug betrachtete. Insekten und Windhauch veränderten die Sandornamentik mit jedem Tag. Ein Fragment aus "A painting of a painting" (96 Reliefgemälde, die ein großflächiges Bodenmosaik ergaben, das anläßlich der Biennale Venedig in einem Kirchenraum in Aperto gezeigt wurde) stellten die Slowenen ebenfalls in Weimar vor. Auf Schultischen aus DDR-Schulen präsentierten sie weiterhin neun unikate Bücher mit weiß gesetzten Farbpunkten, die die Sinne durch eine stark reduzierte "Bilderflut" irritieren und den Tastsinn ansprechen sollten. Sie trugen Titel wie "Bellevue", "Herz-Schlag", "Für die Blinden", "Weiße Landschaft", "Die Rotation der Sterne" oder "Vom Egoismus zum Narzißmus". Zwei Künstlerbücher namens "W", für deren Anfertigung VSSD Stiche und Fotos aus Weimars Vergangenheit verwendet, waren im Lesesaal der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek zu sehen.