Frank Motz: big apple skizzen:
New Yorker Spielwiese zeitgenössischer Kunst aus Weimarer Sicht

von Frank Motz, New York/Weimar

Teil 3

Play's the Thing: Critical and Transgressive Practices in Contemporary Art. Whitney Museum of American Art, New York (http://www.whitney.org). 25.5. bis 8.7.2001 Independent Study Program Exhibition at the Art Gallery of The Graduate Center, The University of New York, 365 Fifth Avenue at 34th Sreet, New York, NY 10016. Geoeffnet ist die Galerie mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt.

Erste Ausstellung unter Beteiligung eines ACC-Mitarbeiters in den USA

Am 24. Mai 2001 wurde in New York die Ausstellung Play's the Thing: Critical and Transgressive Practices in Contemporary Art eroeffnet. Zu ihren Kuratoren zaehlt Frank Motz (ACC Galerie Weimar), der die Schau als einer von vier 2000-01 Helena Rubinstein Curatorial Fellows im Rahmen des Whitney Museum of American Art Independent Study Program in den zurueckliegenden acht Monaten gemeinsam mit Susanna Cole, Erin Donnelly (beide USA) und Claire Tancons (Frankreich) vorbereitet und umgesetzt hat. Die Gruppenausstellung vereint Kuenstlerinnen und Kuenstler, die mittels Spielzeugen, Puppen, Puzzles oder anderen Spielen und kindlichen Utensilien Fragen der Identitaet und Konsumkultur in der gegenwaertigen amerikanischen Gesellschaft ansprechen. Zu den beteiligten Kuenstlerinnen und Kuenstlern zaehlen Vito Acconci, Nayland Blake, Mark Dion, Christoph Draeger, Félix Gonzáles-Torres, Nina Katchadourian, Mike Kelley, Jeff Koons, Louise Lawler, Kristin Lucas, Paul McCarthy, Libby McInnis, Tom Otterness, Laurie Simmons und Fred Wilson. "Spiel ist nicht nur eine natuerliche Aktivitaet der Kindheit, sondern wird auch in der Erwachsenenwelt als bewusste Strategie angewandt, um beispielsweise soziale Lebensumstaende zu veraendern, Unschuld und Unkenntnis vorzutaeuschen oder Zerstreuung in verschiedensten Formen der Unterhaltung zu finden.

Die Kuenstler in Play's the Thing (Zitat entlehnt aus Shakespeare's Hamlet) verwenden Formen des Spiels als kuenstlerische Mittel, um herkoemmliche Klischees und gepraegte Begriffe von einer Welt, die durch Medienspektakel und populaere Unterhaltungsformen bestimmt ist, zu unterwandern. Indem sie, unter anderem, Themen wie Massenunterhaltung, Nachahmungstrieb oder Sammelleidenschaft untersuchen, zeigen sie, dass Spielen und Spiele durch soziale Zusammenhaenge und kulturelle Anschauungen geformt werden. Einige Arbeiten stellen unsere Auffassung von der moralisierenden Funktion des Spiels in Frage. Wenn er, bekleidet mit einem schweren Haeschenkostuem, auf stereotypische Auffassungen von Geschlecht und Rasse hinweist und sich dabei von unsichtbarer Stimme zum Stepptanz anleiten laesst, illustriert Nayland Blake in seinem facettenreichen Video Starting Over (2000) zugleich die Beziehung zwischen Darsteller und Regisseur/Betrachter, zwischen Handelndem und "Behandeltem", und den zwischen beiden ablaufenden Prozess des persoenlichkeitspraegenden Nachahmens und seiner hinterfragenswerten Funktion. Christoph Draeger nutzt die Medienberichterstattung bei Katastrophen, indem er mit The Reconstruction of TWA 800 (2001) das Bild des verunglueckten und rekonstruierten Jumbo-Jets TWA 800 in ein interaktives Puzzle verwandelt und den Betrachter zum Zusammensetzen seiner 8.000 Teile herausfordert. Als Antwort auf die Ueberschwemmung des amerikanischen Marktes mit Sammelob- jekten verwandelt Mark Dion's Installation When Dinosaurs Ruled the Earth (Toys "R" U.S.) (1996) ein Kinderzimmer in eine Rauminszenierung, die entlarvt, wie offensichtlich die Welt des Warenangebots unser Verlangen zu sammeln steuert und - bedient.

Die Ausstellung ist der erste Schritt einer Zusammenarbeit zwischen dem Independent Study Program und dem Graduate Center der City University of New York, in dessen Art Gallery und Media Center (365 Fifth Avenue Ecke 34. Strasse, schraeg gegenueber vom Empire State Building) die ausgewaehlten Photographien, Videos, Installationen und Skulpturen bis zum 8. Juli 2001 zu sehen sind. Anlaesslich der Ausstellung gibt das Whitney Museum of American Art eine Broschuere heraus, die Essays aller vier Curatorial Fellows beinhaltet, u.a. Frank Motz: Bread and Circus (Brot und Spiele). Jeden Sonnabend um 14 Uhr bieten die Curatorial Fellows Fuehrungen an. Eine Reihe von Veranstaltungen, die im Martin E. Segal Theatre Center des Graduate Centers der City University of New York, 365 Fifth Avenue Ecke 34. Strasse, stattfinden, begleitet die Ausstellung:

Mit herzlichen Gruessen aus New York Frank Motz (ACC Galerie Weimar) Kontakt bei Rueckfragen: Frank Motz, Tel. 001-646-263-5699 oder e-mail: frankmotz@hotmail.com Oder (nur englisch): Mary Haus (Director of Communications, Whitney Museum of American Art) oder Stephen Soba (Senior Publicist, Whitney Museum of American Art), Tel. 001-212-570-3633

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