Rien ne vas plus - Weimar? Leitbild für kulturbelastete Kleinstädte

Bahne ich mir meine alltäglichen Wege durch die Stadt, muss ich annehmen, da boomt was. Zumindest schon mal der Tourismus. Und in diesem besonderen Fall müsste es sich um den Kulturtourismus handeln. Denn wir sind in Thüringen und in Weimar. Das heißt, wir sitzen direkt in der Goldgrube. Nach dem alljährlichen Eintreffen des Endzeitbriefes des OB an die Veranstalter von Kultur betreffend die Finanzen für das nächste Haushaltsjahr aber stehen wir direkt vorm rien ne vas plus. Zeigt Weimar hier eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit gegen die Ausnutzung natürlicher Ressourcen? Der Einstieg ins Geschäft, ein Ruf also, der Weimarstempel, ist weltweit zeit- und geldsparend schon geprägt. Zählen wir Fakten auf, die für zukünftigen Reichtum sprechen: Zitat bezüglich der Wiedervereinigung: Zurück nach Deutschland. Besinnt man sich auf das Potential jedes der Länder, besitzt Thüringen von jeher eine einzigartige kulturelle Landschaft, das meint auch das vorhandene kreative Potential im Länderverbund. Thüringen ist demnach nicht Bittsteller, sondern ein Pool von Chancen, Profil für Deutschland zu zeigen. Und dafür hat Weimar zwecks positiver deutscher Imagefindung und als Schaufenster zur Welt immer besondere staatliche Beachtung gefunden. Besser kann es in Hinsicht einer erneuten Förderung und Subventionierung staatlicherseits einer Stadt, einer kleinen Stadt, nicht gehen, um vorausdenkend Strategien für die Zukunft zu festigen und die nötigen Finanzen selbstbewusst einzufordern, denn (Achtung: Vision), die Welt strömt nach Weimar, der Stadt der kurzen angenehmen Wege zu viel Kultur und zurück, möglichst ins Hotel natürlich. Wenn die Talfahrt so weitergeht, sind die zukünftig führenden Wirtschaftsfaktoren Deutschlands das Auto, Goethe und jede Menge Spaßbäder. Frage nach dem OB-Brief: wo will Weimar hin, hat die Stadt Visionen, einen klaren Strukturplan zur Kultur, so einen kleinen Fünfjahresplan vielleicht? Ist sie bereit, Kultur zu behalten und auszubauen, nämlich hier, wo man Kunst, Kultur und Künstler besonders sucht und, keine Kosten scheuend, finden will. Gibt es ein sensibles Konzept zum Claim Weimar?

Jetzt mein Geheimtip, das Erfolgsrezept zur Finanzierung von Visionen: Qualität und Identifizierung mit dieser Stadt. Das kann man von Weimarer Vereinen lernen, die alljährlich auf diese Weise um die Finanzierung ihrer Projekte, mitunter mit beachtlichem Erfolg, kämpfen. Und da ist beileibe keine Administration mit einem Tross Mitarbeiter dahinter. Oder noch ernsthafter: Manfred Rose etabliert in Bosnien das wohl radikalste Steuersystem der Welt. Der Heidelberger Professor sagt, sein Modell tauge auch für Deutschland - doch hierzulande stößt er auf Skepsis. Das Konzept muss wirklich gut sein, denn keiner der deutschen Finanzoberen will es offiziell haben. Warum nicht etwas ausprobieren, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Kann eine Stadt nicht Vorreiter für ein vorhandenes neues Steuermodell werden! Infos: Der Spiegel vom 18.5.2002, REFORMEN, Ulrich Schäfer, Testlabor Balkan. Warum gründeln, wenn man klotzen kann? Also weniger ernst: Könnte man nicht weitere Duplikate weltbekannter Weimarer Immobilien herstellen und an immagebewusste Neureiche unter dem Slogan "schöner wohnen" verhökern. Oder tourismusbewussten Städten Goethe-Gartenhaus Nr. 3 anbieten. Oder im Nietzsche Archiv auswärtigen Politikern in kostenintensiven Sommerseminaren klarmachen, was aus Übermenschen wird, wenn sie groß sind. Am Schluss noch mal die Frage, gibt es einen Kultur-Strukturplan, gibt es im Gegenzug zu dem Brief des OB Vorschläge der Stadt, wie man den Kopf aus dem Sand kriegt? Kann man nicht eine wirklich erfolgsorientierte Arbeitsgruppe gründen, die sich nur um den Kulturstandort Weimar sorgen macht, und, wichtig, erfolgreich sein will! "'Rann an die Buletten!".

Die endlosen Debatten sollten beendet sein. Redezeit wird ab jetzt begrenzt gehandelt.

Barbara Rauch